Junges Mädchen unterzieht sich Rekonstruktion des Gesichts.

Für die 14-jährige Charlotte Ponce aus Michigan (USA) ist jeder neue Tag ein Kampf, aber ans Aufgeben denkt das Mädchen deshalb noch lange nicht.

Als sie gerade einmal drei Monate alt war, wurde sie das Opfer eines schrecklichen Unfalls. Charlottes Eltern legten sie in ihre Krippe, gaben ihr ein Trinkfläschchen und waren nur einen kurzen Moment unachtsam.

Just in diesem Augenblick tropfte aus der Flasche wahrscheinlich etwas Milch auf ihr Gesicht und lockte so den zahmen Waschbären an, den die Familie als Haustier hielt. Der Waschbär schleckte jedoch nicht nur die Milch ab, sondern fraß einen Großteil ihrer rechten Gesichtshälfte. Das Mädchen verlor so die Nase, das rechte Ohr und einen Teil der rechten Wange und Oberlippe.

Nach diesem Vorfall verloren die Eltern das Sorgerecht für Charlotte und ihren älteren Bruder. Die beiden Kinder wurden daraufhin von Sharon und Tim Ponce adoptiert, ihrer Tante und ihrem Onkel.

Der Angriff hinterließ aber auch Narben auf der Seele des Mädchens: Charlotte fällt es schwer, sich unter Menschen zu begeben und ihnen zu vertrauen. Zudem leidet die Kleine auch immer wieder unter Depressionen.

Doch Charlottes Wille ist ungebrochen. Vor der jüngsten Operation sagte ihr Arzt Dr. Koongkirt Chaiyaste: „Sie hat noch nie geweint. Sie hat sich noch bei keinem Eingriff beschwert.“ Dr. Chaiyaste betreut das Mädchen bereits seit über fünf Jahren. 2014, elf Jahre nach dem Angriff, hatte er ein komplexes Verfahren angewendet, bei dem aus Charlottes Rippen ein Stück Knorpel entfernt und unter der Haut ihres Armes verpflanzt wurde. Nachdem der Knorpel ausreichend gewachsen war, wurde aus ihm eine neue Ohrmuschel geformt.

Und mit ihrem neuen Ohr kann sich Charlotte endlich ihren sehnlichsten Wunsch erfüllen: Ohrringe tragen! Über die Jahre hat sie 50 verschiedene Paar Ohrringe gesammelt und nur auf den Moment gewartet, an dem sie sich Löcher stechen lassen kann.

All das ist nur möglich geworden dank der überragenden Arbeit der Ärzte und des medizinischen Fortschritts. Für viele mag dieser Moment nicht von großer Bedeutung sein, aber für Charlotte bedeutet er die Welt.

Wenn sie erwachsen ist, möchte sie eine biomedizinische Technikerin werden, um anderen Menschen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, mit Prothesen helfen zu können. Trotz des tragischen Vorfalls hat Charlotte niemals ihren Kampfgeist verloren. Wenn sie so weitermacht, wird sie ihren Teil dazu beitragen, aus der Welt einen besseren Ort zu machen.

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