Müllsünder bekommt seinen eigenen Abfall bis vor die Haustür geliefert.

Das französische Städtchen Laigneville in der Picardie ist in Aufruhr. Schon wieder ist etwas passiert, was Bürgermeister Christophe Dietrich stinksauer werden lässt:

Ein Mitbürger machte einen Waldspaziergang, um sich zu erholen und die schöne Natur zu genießen. Er will gerade in einen ihm bis dahin unbekannten Feldweg einbiegen, als er auf diesem einen Lastwagen entlangrumpeln sieht, dessen Fahrer ihn nicht bemerkt. Der Spaziergänger wird misstrauisch. Was hat der LKW auf dieser holprigen Strecke mitten im Wald zu suchen? Er hört, wie das Fahrzeug stoppt. Kurz darauf unterbrechen krachende und polternde Geräusche die Stille der Natur.

Facebook/Bien Vivre à Laigneville

In dem heimlichen Beobachter steigen Groll und Wut auf, als er erkennt, was dort vor sich geht. Der LKW-Fahrer fühlt sich ganz offensichtlich vor fremden Blicken sicher und kippt seelenruhig mehrere Kubikmeter Abfall, Bauschutt und sonstigen Unrat am Waldrand ab. Der Spaziergänger ist über so viel Unverfrorenheit erschüttert und beschließt, die Gemeinde über diese Umweltsünde zu informieren. Er hat sich sogar das Kennzeichen des LKW sowie das Gesicht des Fahrers gemerkt, bevor dieser sich – vermeintlich unbemerkt – wieder aus dem Staub macht. Noch voller Zorn blickt der Naturfreund auf die angerichtete Sauerei.

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Als Bürgermeister Christophe Dietrich die Mitteilung des Spaziergängers erhält und auch noch herausbekommt, dass der beobachtete Müllsünder bei einer Firma in seiner Gemeinde arbeitet, entscheidet er sich für eine drastische Maßnahme. Es ist zwar nicht das erste Mal, dass Unrat in den Wäldern um Laigneville deponiert wurde, aber noch nie hatte er die Anschrift des Übeltäters herausbekommen. Also heißt es nun wie bei der Post: „Zurück an den Absender.“ Der Bürgermeister lässt sich nicht davon abschrecken, dass der Müll in einem nur mühsam zugänglichen Waldstück liegt. Er organisiert einen Radlader und lässt die Hinterlassenschaften auf einen gemeindeeigenen Pritschenwagen verfrachten.

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Es ist so weit: Der Müllsünder bekommt sein Eigentum zurück.

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Die ungewöhnliche Maßnahme spricht sich rasch herum: „Sie können sich nicht vorstellen, wie viele Anrufe ich von anderen Bürgermeistern aus ganz Frankreich und sogar aus Übersee erhalten habe, die nun genauso vorgehen möchten wie ich“, sagt Christophe Dietrich stolz. Natürlich seien ein paar Bürger sauer gewesen, aber der Erfolg gebe ihm recht: Umweltverschmutzungen dieser Art hätten in seiner Gemeinde um 90 % abgenommen. „Ich mache nichts Illegales. Ich gebe den rechtmäßigen Eigentümern lediglich ihren Besitz zurück“, kommentiert der Bürgermeister staubtrocken.

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Leider gibt es trotzdem noch genug Unternehmen, die die Umwelt verschmutzen, ohne dafür belangt zu werden. „Viele Anzeigen werden, trotz vorhandener Beweismittel, vom Rechtssystem oft auf die lange Bank geschoben“, erklärt Dietrich. Und nicht viele wagten es, gegen einflussreiche Firmen vorzugehen, die sich die besten Rechtsanwälte leisten könnten. Dietrichs Methode ist sicher nur die letzte Möglichkeit, die natürlich auch längst nicht bei allen Umweltsünden funktionieren kann. Man denke nur an Gewässer- und Luftverschmutzung.

Dennoch wünschte man sich manchmal mehr dieser kleinen, tatkräftigen und lehrreichen Maßnahmen, die vielleicht doch ein Umdenken hervorrufen bzw. bei den Verursachern wenigstens ein Unrechtsbewusstsein erzeugen können.

In diesem Sinne: Hochachtung vor Ihrem Mut, Herr Bürgermeister!

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