Ehemaliger Obdachloser erzählt von harter Zeit, die er draußen verbringen musste.

Craig Stone führte ein ganz normales Leben – bis zu dem Tag, an dem sich auf einmal alles schlagartig änderte. Nachdem sein Vermieter von einem Tag auf den anderen die Miete erhöht hatte, sodass Craig diese nicht mehr bezahlen konnte und die Wohnung aufgeben musste, kämpfte der aus dem englischen London stammende 30-Jährige mit Depressionen und wurde arbeitslos.

Die Verzweiflung überkam ihn, und er sah keinen anderen Ausweg, als sein spärliches Hab und Gut zu verkaufen bzw. es seiner Mutter zu geben. Er behielt lediglich einige Kleidungsstücke und nahm diese in einem Beutel mit in den Gladstone-Park in Willesden Green, Nordlondon. So begann sein Leben auf der Straße.

Flickr/Ashley Coates

Craigs Familie wusste, dass er obdachlos war, doch sie konnte ihm nicht helfen. „Erstens hatte niemand Platz, einen 30-jährigen hoffnungslosen Mann zu übernehmen. Zweitens, anstatt zu sagen: 'Mein Leben ist außer Kontrolle geraten, bitte helft mir!', verkaufte ich alles an Freunde und sagte, dass ich mein Leben aufgebe, um in einen Park zu ziehen und ein Buch zu schreiben“, so Craig über sich selbst. Auf der Straße fühlte er sich, als sei er unsichtbar, da die Menschen vermeiden wollten, mit ihm in Kontakt zu treten, auch wenn ihre Hunde kamen und direkt neben ihm saßen.

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Doch während der nächsten Wochen schrieb Craig seine Erfahrungen auf Papier nieder – so viel, um ein ganzes Buch zu füllen –, doch er hatte Angst, dass er die Aufzeichnungen verlieren würde oder dass Regen sie zerstören könnte. Schließich sprang er über seinen Schatten, rief seine Schwester von einer Telefonzelle aus an und fragte, ob er zu ihr kommen und ihren Computer benutzen könne, um das Buch abzutippen, weil er es selbst als E-Book veröffentlichen wollte. Sie sagte „ja“, und so erschien das Buch schon kurze Zeit später unter dem Titel "The Squirrel that Dreamt of Madness". (Auf Englisch kannst du es hier bestellen.)

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Bald nach der Veröffentlichung bekam er von vielen Lesern lobende Rezensionen. Dennoch fühlte er sich immer noch hoffnungslos, bis er eines Tages einen Tweet erhielt, der sein Leben vollkommen verändern würde. Eine junge Frau schrieb ihm, dass sie sein Buch gelesen habe und ihn für sein Werk bewundere. Sie hielt ihn für einen großen Autor und bat ihn um ein Treffen. Zunächst schämte sich Craig sehr, denn er wusste nicht, wie sie auf einen Mann, der immer noch obdachlos war, reagieren würde. Doch die Neugierde und die Freude über den Respekt, den sie seiner Arbeit entgegenbrachte, waren stärker als die Angst. Also verabredete er sich mit ihr auf einen Kaffee. Die beiden waren sich sofort sympathisch, und so blieb es nicht bei einem Kaffee. Nein, Carolyn und Craig schienen füreinander bestimmt zu sein. Sie verliebten sich auf den ersten Blick ineinander und wurden ein Paar. Ein gemeinsamer Urlaub folgte.

Mit Carolyn verlor Craig die Angst davor, wieder ein normales Leben zu führen, mit allem was dazugehört: sesshaft werden, heiraten, eine Familie gründen. Also zog er bei Carolyn ein. Und wie es sich für ein anständiges Happy End gehört, bekamen sie einen gemeinsamen Sohn: Obie. Craig ist heute 36 Jahre alt und wohnt mit seiner Frau und dem sieben Monate alten Baby wieder in einer Wohnung. Sein zweites Buch, "Life Knocks", wurde für den Dundee International Book Prize nominiert. Doch er weiß, dass er sehr viel Glück hatte.

„Mein altes Dasein aufzugeben und in den Park zu ziehen, hat mein Leben am Ende für immer verbessert, für immer. Aber ich hätte genauso gut tot in einem Mülleimer landen können.“

Er wendet sich an alle Menschen, die in warmen, eigenen Wohnungen leben: „Die Situation wird jedes Jahr schlechter. Obdachlose können keinen Job bekommen. Für einen Job müssen sie bezahlt werden. Um bezahlt werden zu können, brauchen sie ein Bankkonto, für ein Bankkonto benötigen sie eine Heimatadresse. Da ist man aussortiert. Wenn man aus dem System fällt, gibt es wirklich keinen Leuchtturm mehr, zu dem man schwimmen kann.“

Craigs Ideen, wie man sich gegenüber Obdachlosen verhalten soll, lauten wie folgt:

  1. Mach ihnen keine Vorwürfe, wie sie ihr Geld ausgeben. Wer sind wir, dass wir sie verurteilen in einer Situation, in der sie nichts und niemanden haben, der sie liebt und beschützt?
  2. Biete ihnen Kleidung an. Warme Kleidung hilft immer.
  3. Suche Augenkontakt. In diesen Tagen begegnet ihnen selten Menschlichkeit. Schenke ihnen ein Lächeln und zeige ihnen, dass du sie nicht aus dem Leben ausschließt.
  4. Nimm dir Zeit, wenn du kannst, und sprich ein paar Worte mit ihnen. Das Gefühl, dass sich jemand für sie interessiert, kann der entscheidende Anstoß sein, etwas zu ändern.

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Craigs Geschichte zeigt, dass jeder einzelne Obdachlose ein Mensch ist, der eine individuelle Geschichte hat, die ihn in die jetzige, ausweglos scheinende Situation gebracht hat. Wenn wir das nächste Mal an einem vorbeigehen, sollten wir uns daran erinnern, dass auch uns so etwas passieren kann.

Quelle:

metro.co.uk

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