Als sich dieser junge Tänzer über starke Schmerzen beklagt, wird er ignoriert. Nur Tage später sieht er seinen Lebenstraum in Trümmern liegen.

Für den 25-jährigen Evgeny Smirnov aus Sotschi, Russland, konnte es eigentlich gar nicht besser laufen. Er war seit frühester Kindheit ein begeisterter Tänzer, der bei nationalen und internationalen Wettbewerben mehrere Pokale gewann. Kurz nach dem Schulabschluss gründete er zusammen mit ein paar weiteren Freunden die Tanzgruppe „Freestyle Mastazz“, mit der er schnell landesweite Bekanntheit erlangte.

Unter seinen Tanzkollegen galt Evgeny als Shootingstar, doch dann sollte sich für ihn alles verändern.

Evgeny war mit seinem Motorrad unterwegs, als er von einem Auto erfasst wurde. Der Fahrer beging Fahrerflucht. Im Krankenhaus wurde Evgeny zwar das Leben gerettet, allerdings vernachlässigten die Ärzte sein zweifach gebrochenes Bein. Erst als sich bei ihm ein Wundbrand ausbreitete, wurde Evgeny für eine Notoperation in ein größeres Krankenhaus verlegt.

Als Evgeny nach der Operation wieder aufwachte und merkte, dass ihm sein rechtes Bein fehlte, war er am Boden zerstört. Seine Karriere schien am Ende.

Youtube/mixer4208

Um ihm zu helfen, organisierten seine Freunde sofort eine landesweite Spendenkampagne. Als Evgeny aus dem Krankenhaus entlassen wurde, war im Rahmen der Kampagne bereits so viel Geld zusammengekommen, dass er sich eine moderne Beinprothese anschaffen konnte. Trotzdem gingen alle davon aus, dass seine Tanzkarriere beendet sein würde. Nur Evgeny glaubte weiterhin an sich und trainierte hart, um seine Leidenschaft nicht aufgeben zu müssen.

Einige Monate später gab es dann die erste positive Nachricht: Der Fahrer des Unfallwagens war gefasst und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden.

Und nach nur zwei Jahren intensiven Trainings stand Evgeny auch tatsächlich wieder auf der Bühne. Zudem eröffnete er eine Tanzschule für körperbehinderte Kinder und trat in verschiedenen Tanzsendungen im Fernsehen auf.

Allerdings musste er auch einige Rückschläge verkraften. Als er beispielsweise im März 2017 in der russischen Castingshow „Minute of Fame“ teilnahm, wurde er von zwei Jurymitgliedern aufs Übelste beschimpft.

Der russische Fernsehjournalist Wladimir Pozner bezichtigte ihn, mit seiner Teilnahme Mitleid erregen und so gewinnen zu wollen. „Wenn so jemand vor dir auftritt, dann kannst du unmöglich nein sagen“, so Pozner.

Renata Litvinova, eine weitere Jurorin, fragte Evgeny sogar, ob er sich nicht eine Beinprothese umschnallen könne, anstatt die Zuschauer mit seinem Auftritt so zu verstören.

Die Aussagen waren in Russland derart umstritten, dass sich Pozner und Litvinova später zu einer Entschuldigung gezwungen sahen. Und doch hatte dieser Skandal einen positiven Nebeneffekt: Das ganze Land sprach über die Schwierigkeiten und Diskriminierungen, denen Menschen mit Behinderung jeden Tag begegnen.

Trotz der Entschuldigung von Pozner und Litvinova entschied sich Evgeny gegen eine weitere Teilnahme an der Sendung. „Nach dem, was passiert ist, ist eine objektive Beurteilung meiner Leistung nicht mehr möglich“, so Evgeny. „Ich respektiere die Jury und ihre Meinung, aber ich bin nicht aufgetreten, um Mitleid zu bekommen.“

Ungeachtet der Rückschläge und Kritik lässt sich Evgeny nicht von seinem Traum abbringen. Er kämpft nicht nur für sich, sondern für alle Menschen, die sich in einer ähnlichen Lage befinden.

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