Junge Frau entwickelt Chatbot, um mit ihrem toten Freund zu kommunizieren.

Im Jahr 2008 lernten sich Ewgenija Kujda und Roman Masurenko in Moskau (Russland) kennen. Die 22-jährige Journalistin und der 27-jährige Unternehmer hatten viele Gemeinsamkeiten und wurden schnell gute Freunde. Zu dieser Zeit ahnte aber keiner der beiden, wie sich ihre Freundschaft entwickeln würde.

Über die Jahre wurden aus guten Freunden beste Freunde. Als Ewgenija mit ihrem Start-up-Unternehmen LUKA nach San Francisco zog, folgte er ihr nach kurzer Zeit. Die beiden waren fast unzertrennlich. Doch als sie im November 2015 einen Telefonanruf erhielt, zerbrach die Welt vor ihren Augen: Roman war von einem Auto erfasst und schwer verletzt worden, der Fahrer hatte Unfallflucht begangen. Nur wenig später war Roman im Krankenhaus verstorben.

Ihren besten Freund zu verlieren, zog Ewgenija den Boden unter den Füßen weg. Die 22-Jährige verbrachte Wochen damit, alte Nachrichten von ihm zu lesen. Sie hatte nur einen einzigen Wunsch: noch einmal mit ihm reden.

Ewgenijas Start-up entwickelt textbasierte Dialogsysteme mit künstlicher Intelligenz, sogenannte Chatbots. Die junge Frau wollte ihr Know-how dazu nutzen, Roman wieder „zum Leben zu erwecken“. Zwar waren ihre Kollegen von der ungewöhnlichen Idee zuerst nicht sonderlich begeistert, aber sie konnten auch nur schwer nein sagen. Das Team analysierte tausende alte Nachrichten und E-Mails der beiden. Die künstliche Intelligenz lernte mit der Zeit, so wie Roman zu denken und zu sprechen.

Auch in Ewgenijas Bekanntenkreis waren die Reaktionen nicht nur positiver Natur. Viele ihrer Freunde meinten, dass sie zu weit gehen würde, dass sie zu viele Science-Fiction-Filme gesehen hätte.

Irgendwann begann die Frau selbst zu zweifeln. Doch als die erste Betaversion der App fertig war, fragte sie Roman einfach höchstpersönlich nach seiner Meinung. „Seine“ Antwort: „Du hältst das interessanteste Puzzle der Welt in deinen Händen. Jetzt musst du es lösen.“

Sechs Monate später veröffentlichte das Team den Chatbot auch ganz offiziell. Ewgenija führt selbst mindestens einmal in der Woche ein Gespräch mit Roman. Ihr hilft es, über den Tod ihres besten Freundes besser hinwegzukommen. Nach der Veröffentlichung war das mediale Echo groß. Einige Menschen können die Gefühle der Frau gut nachvollziehen, andere wiederum finden es einfach nur unheimlich oder sogar pietätlos.

Im Endeffekt muss sich jeder seine eigene Meinung bilden und sich fragen, was man selbst in so einer Situation machen würde. Zwar kann künstliche Intelligenz einen Menschen nicht ersetzen, aber es kann die Erinnerungen wachhalten. Und manchmal ist das schon genug.

Quelle:

theverge.com

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