Schule gibt einem grausam gemobbten Mädchen selbst die Schuld.

Tayla ist erst 13 Jahre alt und hat in ihrem jungen Leben bereits versucht, sich umzubringen. Das Mädchen ist nur knapp einem Umfeld entkommen, das selbst gefestigte Erwachsene in tiefe Verzweiflung treiben würde.

Taylas Mitschüler an der Dysart State School in Queensland (Australien) haben sie sich zu ihrem Lieblingsopfer auserkoren und gnadenlos gemobbt. Sie verspotteten sie, stahlen ihr Taschengeld, verprügelten sie. Sie sagten schreckliche Dinge zu ihr, wie: „Spring doch von einer Klippe, ertränke dich, niemanden kümmert es. Schneide dich doch mit Messern, niemanden interessiert es.“

Youtube/SBS2Australia

Sie gibt ihre Handynummer an Mitschüler weiter, die sie für Freunde hält. Dann beginnen die Quälereien auch über SMS. Sie bekommt obszöne Nachrichten, Beschimpfungen, immer wieder Aufforderungen, sich umzubringen. Tayla traut sich nicht mehr in die Schule.

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Als Taylas Mutter Kali mit der Schulverwaltung Kontakt aufnimmt und von dem Mobbing erzählt, steckt diese das Mädchen als „Hilfe“ während der Pausen allein in ein Zimmer. „Ich wollte nur draußen in Ruhe spielen, aber sie ließen mich nicht raus. Das war, wie im Gefängnis zu sein.“

Der Direktor sagt ihrer Mutter, Tayla sei an ihrer Situation selbst schuld. Sie sei „seltsam“ und werde darum eben gemobbt. Tayla beginnt, ihre Peiniger zu zeichnen, die sie beschimpfen.

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Sie zeichnet Bilder ihres eigenen toten Körpers. Sie hört auf zu essen.

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Die Eltern rufen bei Beratungsstellen an, bringen sie in Therapie, aber nichts hilft. Taylas Verzweiflung wird so groß, dass sie eine Internet-Petition erstellt, mit der sie um Hilfe ruft. „Ich weiß nicht, was ich sonst tun oder wo ich sonst um Hilfe bitten soll. Mein Leben ist die Hölle. Bitte unterzeichnet diese Petition, bittet die Dysart State School, etwas gegen Mobbing zu tun. Bittet die Regierung darum, etwas zu tun, damit die Schule nicht mehr damit davonkommt.“

Taylas Petition verbreitet sich im Netz. Über 10.000 Menschen unterzeichnen ihre Bitte um Hilfe durch die Regierung. Hunderte von anderen Kindern erzählen auf ihrer Seite von eigenen Erfahrungen mit Mobbing.

Aber die grausamen Kinder an ihrer Schule reagieren so wie alle Tyrannen, wenn sie mit ihren eigenen Taten konfrontiert werden: mit noch böseren Quälereien. Für Tayla wird der Schulalltag endgültig zum Alptraum. Nur wenige Wochen, nachdem die Petition online ging, versucht sie schließlich, sich das Leben zu nehmen.

„Ich wollte diese Welt verlassen und nie zurückkommen“, sagt sie. 

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Die Schulverwaltung lehnt jede Stellungnahme ab.

„Die Schule hat nichts getan, um meine Tochter zu schützen“, sagt Kali. Sie weiß, dass sie nur noch eine Möglichkeit hat, ihr Kind zu schützen. „Wir müssen hier wegziehen, weil ich nicht will, dass meine Tochter stirbt. Ich glaube, wenn wir hier bleiben, wird es passieren, sie wird sterben.“

Das eingeschaltete Jugendamt stuft das Mobbing als so ernst ein, dass Tayla nicht nur aus der Schule genommen wird, sondern auf Anraten des Amtes die Stadt verlässt und bei ihren Großeltern unterkommt.

Der Abstand von ihrem Umfeld wirkt bereits Wunder. Tayla kann nun aus sicherer Distanz auf die schlimme Zeit an der Dysart State School zurückblicken und weiß, dass sie von ihrer Familie immer geliebt wurde. Kali und Taylas Brüder werden bald zu ihr ziehen und gemeinsam mit ihr in der Stadt einen neuen Anfang wagen.

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Taylas Geschichte kann hier in voller Länge angesehen werden:


Bleibt zu hoffen, dass Tayla, umgeben von freundlichen und empathischen Menschen, bald wieder entdecken darf, wie schön das Leben sein kann.

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