Kurz vor dem Hungertod findet die junge Frau unerwartete Rettung.

Heute kann die 22-jährige Hannah Koestler wieder lachen. Doch vor nicht allzu langer Zeit kostete eine Krankheit die hübsche junge Frau beinahe das Leben. Sie stand kurz davor, einen qualvollen Hungertod zu sterben. Das Schlimmste daran: Ihr eigener Kopf hatte sie dazu getrieben, fast zu verhungern.

Ihr Martyrium beginnt bereits in jungen Jahren und hat seinen Ursprung darin, dass ihre Familie ständig umzieht. Sie fühlt sich einsam und sehnt sich nach Stabilität.

So hat die in Österreich geborene Hannah bereits als Jugendliche in so unterschiedlichen Ländern wie China, Südkorea, den USA und Japan gelebt. Heute denkt sie, dass gerade diese Unstetigkeit der Auslöser für ihre Krankheit war. Denn als sie damit hadert, keine langen Freundschaften knüpfen zu können und immer wieder in neue Umgebungen geworfen zu werden, entwickelt sie ihre eigene Methode, um Stabilität zu erreichen: Sie beginnt, ihre Essgewohnheiten zwanghaft zu kontrollieren. Zuerst beginnt sie, Fastfood aus ihrem Ernährungsplan zu streichen. Immer gesünder muss es sein, und so werden immer mehr Nahrungsmittel aus der Liste des „Erlaubten“ gestrichen. 

Die Waage wird zum Halt und gleichzeitig zum gefürchteten Richter für Hannah. Schnell fallen die ersten Kilos. Doch das reicht ihr nicht. Innerhalb kurzer Zeit ist Hannah fest in den Händen der Anorexia Nervosa, auch bekannt als Magersucht. Erst isst sie kein Fett mehr, dann keine Kohlenhydrate. Am Ende will sie nur noch gedünstetes Gemüse und Tofu essen. Als sie 17 Jahre alt ist, wiegt sie bei einer Größe von ungefähr 1,80 m gerade einmal 53 kg. Ihr Gesicht sieht ausgemergelt aus, die Haare fallen ihr aus. Da schreiten ihre Eltern ein und gehen mit Hannah zum Arzt.

Doch die Ärzte sagen einfach, die Eltern sollten mehr kochen und dabeisitzen, wenn sie isst. Doch auch das hilft nicht, denn Hannah rastet völlig aus, wenn sie etwas essen soll, das sie ihrer eigenen Überzeugung nach nicht „darf“. So wirft sie ihrer Mutter einmal einen Teller Nudeln ins Gesicht, weil diese ein bisschen Parmesan darübergestreut hat. Hannah erinnert sich: „Meine Mutter tat ihr Bestes, um mir zu helfen, aber ich ließ es nicht zu. Zum Glück konnte sie zwischen der Krankheit und mir unterscheiden.“ Trotzdem nimmt sie langsam zu, bis sie wieder ein annähernd normales Gewicht hat. Sie schafft ihren Schulabschluss und kommt auf einen Body-Mass-Index (BMI) von 17. Als gesund wird eine Zahl zwischen 18 und 24 angesehen, doch für Hannah ist diese Gewichtszunahme bereits ein riesiger Schritt in die richtige Richtung, und so kann sie ihre Eltern überzeugen, dass sie stabil genug ist, allein in Österreich zu leben. Tatsächlich scheint sie erst einmal wieder glücklich zu sein.

Zur Sicherheit soll ihr Großvater, der in der Nähe lebt, ein Auge auf Hannah haben, während ihre Eltern wieder nach Japan fliegen, wo sie arbeiten. Doch jetzt gerät Hannah völlig außer Kontrolle. Sie beginnt wieder damit, ihr Essen einzuschränken, und zwar in noch viel größerem Ausmaß als vorher. Es kommt so weit, dass sie nur noch 3 Reiswaffeln und 1 Glas Wasser am Tag zu sich nimmt.

Einen an der Reiswaffel 37/366

„Es war so schlimm, dass ich mich bis zu zehnmal am Tag auf die Waage stellen musste.“ Sie magert auf 30 kg ab und hat die Kleidergröße einer 10-Jährigen. Ihr Kreislauf kollabiert und ihre Organe kämpfen gegen das Versagen an. Als ihr Großvater schließlich mehrere Tage nichts von seiner Enkelin hört und sie an der Tür nicht antwortet, ruft er den Notarzt. Sie brechen die Tür auf und finden die auf dem Boden liegende Hannah. Die Ärzte können kaum glauben, dass noch Leben in diesem menschlichen Skelett steckt.

Instagram/prosperoushealthylife

Das Nächste, an das Hannah sich erinnert, ist ein Krankenhausbett, in dem sie, an Schläuche angeschlossen und mit einer Ernährungssonde in der Nase, liegt. „Die Ärzte sagten mir, dass ich wahrscheinlich wenige Tage später gestorben wäre, hätten sie mich nicht gefunden“, sagt Hannah heute. Fünf Monate später wird sie aus dem Krankenhaus entlassen und in eine Tagesklinik verlegt, damit sie ihre Behandlung antreten kann. Dabei durchlebt sie intensive Therapiesitzungen, in denen sie den Umgang mit Essen neu lernen muss.  Zehn Monate lang lernt sie, wie sich normales Essverhalten anfühlt und welche Nährstoffe sie braucht. 

Instagram/prosperoushealthylife

Langsam, aber stetig, nimmt sie wieder zu und dokumentiert dabei ihren Körper in verschiedenen Stadien der Genesung. Sie erstellt einen Instagram-Acoount und lädt die Bilder dort hoch. Dazu erklärt sie: „Ich weiß, dass die Bilder krass aussehen. Aber ich möchte anderen Menschen zeigen, wohin die Krankheit führen kann. Außerdem erinnern sie mich daran, wie weit ich schon gekommen bin.“ Schnell hat der Account über 120.000 Anhänger. Hannah bekommt viele Anschriften und Zuspruch von anderen Betroffenen, die ihr für ihren Mut danken.

Mit Verhaltenstherapie (Belohnungen und Freizeitaktivitäten, wenn Hannah ordentlich isst) bekommt Hannah ihr Essverhalten langsam wieder in den Griff und kommt von ihrem lebensgefährlichen Untergewicht wieder in den normalen Gewichtsbereich. Sie kann Essen wieder genießen. Doch ist ihr Kampf noch lange nicht vorbei. Auch davon zeugen die verstörenden Bilder. Um motiviert zu bleiben, nennt sie den Account „Prosperous Healthy Life“ (sprühendes, gesundes Leben) und lädt immer wieder Fotos von sich und leckeren veganen Gerichten hoch. Man sieht ihr deutlich an, wie viel glücklicher sie jetzt ist.

Hannah weiß, dass noch ein langer Weg auf sie wartet, aber sie ist bereit, diesen zu gehen, um wieder ein normales Leben führen zu können. Sie dankt ihren Anhängern und macht allen Betroffenen Mut, denn sie sind nicht allein. Sie weiß, dass sie die Krankheit besiegen können.

Ihre Bilder zeigen, was möglich ist. Es ist ein Unterschied wie zwischen Tag und Nacht. Hannah ist froh, das Leben wieder genießen zu können. Kaum zu glauben, dass es sich auf den Bildern um dasselbe Mädchen handelt.

Jetzt studiert sie in England und ist der Rudermannschaft beigetreten. Sie ist überzeugt: „Die Wahrheit zu verheimlichen, ist der falsche Weg. Magersucht ist eine fruchtbare Krankheit. Doch wir können sie in den Griff kriegen. Ich weiß, dass ich nie wieder so enden möchte.“ Hoffentlich kann Hannah ihren gesunden Weg fortsetzen und ihr Normalgewicht halten. Denn so ist sie eine wunderschöne junge Frau mit einer glänzenden Zukunft.

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