26-Jährige mit Gesichtsbehaarung fühlt sich mit Bart weiblich wie nie.

Harnaam Kaur aus dem britischen Berkshire hat eine ganz normale Kindheit. Zu Beginn der Pubertät, mit 11 Jahren, beginnt sich ihr Körper wie bei anderen Mädchen auch zu verändern. Nur das Harnaam Haare im Gesicht und auf der Brust zu sprießen beginnen.  

 

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Ärzte stellen bei dem jungen Mädchen schließlich das polyzystische Ovarial-Syndrom fest. Diese hormonelle Störung kann neben Unfruchtbarkeit, Zyklusstörungen und Diabetes unter anderem auch zu starkem Haarwuchs im Gesicht führen. Für die damalige Sechstklässlerin eine absolute Katastrophe. Um ihren Bart loszuwerden, wachst und rasiert Harnaam ihr Gesicht mehrfach die Woche - mit dem einzigen Ergebnis, dass die Haare noch kräftiger nachwachsen. 

 

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Hänseleien und Beleidigungen ihrer Schulkameraden werden zum täglich Brot des Teenagers: "Sie nannten mich 'Mannweib' und Ähnliches. Ich fing an mich selbst zu verletzen, weil ich meinen Körper so sehr hasste. Ich verließ das Haus nicht mehr, weil ich die Blicke der Fremden nicht mehr ertrug und schloß mich in meinem Zimmer ein. Es wurde so schlimm, dass ich nicht mehr leben wollte."

 

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Doch dann beschließt die Britin, dem Leid ein Ende zu setzen - indem sie ihren Bart einfach wachsen lässt und zu sich selbst steht: "Ich hatte genug von dem Verstecken. Ich wollte meinen Blick auf das Leben verändern und mich nicht mehr einsperren." Vor allem ihr jüngerer Bruder Gurdeep ist dabei ihr größter Unterstützer. 

 

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Mittlerweile arbeitet die 26-Jährige als Lehrerin und engagiert sich als Körper-Aktivistin gegen Mobbing: "Verkäufer reden mich immer noch mit 'Sir' an und ich ernte komische Blicke, wenn Leute meinen Bart zuerst sehen und dann meine Brüste bemerken. Das muss sehr verwirrend sein. Mittlerweile kann ich darüber lachen - manchmal tue ich so, als wäre ich ein Mann und verstelle meine Stimme und es ist immer lustig, ihre Reaktion zu sehen. Wenn die Kinder an meiner Schule fragen, was mein Bart ist, scherze ich oft, es sei ein Halloween-Kostüm." 

 

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"Ich fühle mich weiblicher und sexier und ich denke, das strahle ich auch aus", fährt Harnaam fort. "Ich habe gelernt, mich so zu lieben, wie ich bin. Ich liebe meinen Bart, genauso wie meine Tattoos, meine Narben und Dehnungssteifen. Diese Krankheit hat meinen Körper sehr verändert und ich habe lange dafür gebraucht, aber ich liebe ihn viel mehr als vor 10 Jahren."

Mit ihrem Selbstbewusstsein und positivem Körpergefühl möchte die junge Frau andere Menschen inspirieren und stärken: "Wenn ich eine Botschaft habe, dann dass man so leben sollte, wie man möchte. Ich möchte gegen Stereotype kämpfen und Frauen zeigen, dass egal wie sie aussehen, was an ihrem Körper anders sein mag - das sollte sie nicht davon abhalten, das zu erreichen, was man erreichen möchte." 

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