KLS-Syndrom: Mutter verschläft die Geburt ihres Sohnes.

Viele Menschen wünschen sich mehr Schlaf, weil sie im Alltag nicht genug davon abbekommen. Auf den ersten Blick klingt es wie ein wundervoller Traum, ewig lange schlafen zu können. Doch wenn man die Geschichte dieser jungen Frau hört, erfährt man, was für eine Last ein langer Schlaf bedeuten kann: Die 24-jährige Jody Robson aus Birmingham in England verschläft nämlich beinahe ihr ganzes Leben. An viele Geburtstage, Urlaube oder Weihnachtsfeiertage kann sie sich nicht erinnern.

YouTube/ Barcroft TV

Die traurige Tatsache, viele wichtige Ereignisse im Leben zu verschlafen, hat einen ernsten Hintergrund: Jody leidet nämlich seit dem Alter von 12 Jahren am Kleine-Levin-Syndrom (KLS). Dabei handelt es sich um eine neurologische Erkrankung, bei der die Betroffenen täglich bis zu 22 Stunden am Stück schlafen. Diese Episoden können bis zu 2 Wochen lang anhalten.

In der kurzen Zeit, in der die Patienten nicht schlafen, befinden sie sich in einem Zustand, der dem eines Schlafwandlers ähnelt. Sie essen dann häufig sehr viel, ihr Verhalten ist oft aggressiv, depressiv, kindlich, und die KLS-Betroffenen verlieren die Orientierung. Rund 1000 Menschen weltweit leiden an dieser seltenen Erkrankung.

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Als wäre es nicht schlimm genug, vom Großteil des eigenen Lebens nichts mitzubekommen, Jody verschlief sogar die Geburt ihres ältesten Sohnes Harley! Eines Tages schlief sie ein, bevor sie zur Arbeit aufbrechen wollte. Als sie 3 Wochen später aufwachte, stellte sie fest, dass ihr dicker Bauch verschwunden war. Von der natürlichen Geburt hatte die junge Frau - kaum vorstellbar - nichts mitbekommen.

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Die Erkrankung stellt eine erhebliche Belastung für Jody und ihre Familie dar. Im ersten Jahr nach Harleys Geburt hatte Jody 7 sogenannte Schlafepisoden, sodass sie die meiste Zeit von ihrem Baby nichts mitbekommen hat.

Während der Schlafphasen kümmern sich ihr Mann Steven und ihre Mutter um die Kinder. Wenn Jody von ihrem Mann geweckt wird, geht sie in einem tranceähnlichen Zustand auf die Toilette, dann in die Küche, um etwas zu trinken und zu essen. In dieser Zeit ist sie kaum fähig, auf ihre Umwelt zu reagieren: „Wenn die Leute reden, kommt nichts in meinem Gehirn an. Ich schaue sie nur verwirrt an“, erzählt die verzweifelte Mutter. Wenn ihre Grundbedürfnisse erfüllt sind, geht sie wieder ins Bett und schläft weiter.

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Heute ist Harley 6 Jahre alt und hat einen kleinen Bruder namens Riley. Jody, aber auch ihre Söhne, leiden sehr unter ihrer Krankheit: „Es ist deprimierend. Meine Kinder sind im Wohnzimmer oder bei den Verwandten und essen das Weihnachtsessen wie eine ganz normale Familie, während ich allein schlafend in meinem Bett liege.“ Die junge Mutter verschläft viele wertvolle Momente mit ihren Kindern und ist daher sehr deprimiert: „Wenn ich meine Schlafepisoden habe, steht unser Leben still.“

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Doch das Schlimmste an der Krankheit für Jody selbst sind nicht die Schlafphasen als solche, sondern die Schwierigkeiten, sich davon wieder zu erholen. Die Betroffenen brauchen eine Weile, um wieder in den Alltag zurückzufinden. Außerdem hat Jody sehr viel Angst vor der nächsten Episode und fragt sich, ob sie auch nach dieser wieder „normal“ sein wird. 

Sieh dir Jodys Geschichte noch einmal in folgendem Video an (auf Englisch): 

Für die allermeisten Außenstehenden ist es kaum vorstellbar, wie Jody sich fühlen muss. In manchen Fällen gelingt es, die Krankheit mit Medikamenten in den Griff zu bekommen. Zu wünschen wäre es Jody und ihrer Familie auf jeden Fall.

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