Grenzerfahrung: Mann stirbt fast bei Wüstenmarathon.

Manche Menschen lieben es, sich immer wieder selbst an ihre Grenzen zu bringen und sich besonders extremen Herausforderungen zu stellen. So auch der Italiener Mauro Prosperi. Er ist 39 Jahre alt, als er sich im Jahr 1994 zu einem besonderen Langstreckenrennen anmeldet, nämlich dem sechs Tage andauernden Marathon von Sables. Dabei handelt es sich um einen 250 km langen Lauf quer durch die marokkanische Sahara. Mauro weiß, dass das keine leichte Aufgabe ist, aber er fühlt sich physisch und mental bestens vorbereitet. Doch die Launen der Natur bringen ihn in unerwartete Lebensgefahr ...

Desert

Nicht umsonst gilt das Rennen als das härteste der Welt; es gibt 1994 nur rund 120 Teilnehmer. Mauro ist aber ein erfahrener Läufer und hat bereits an ähnlich extremen Veranstaltungen teilgenommen. Teilweise trainiert er bis zu 12 Stunden am Stück. Als er sich vor dem Start die Schuhe zuschnürt, ist er noch guter Dinge. Doch am vierten Tag geschieht das Unvorhersehbare.

Youtube/20th Century Fox

Mauro erzählt: „Am vierten Tag ging wirklich alles schief. Es war die längste und schwierigste Etappe, als auf einmal ein Sandsturm aufkam. Es war bereits am Morgen sehr windig gewesen, und dann nahmen die Böen gewaltig an Fahrt auf. Der Sand stach mir wie Nadeln ins Gesicht. Ich konnte nichts sehen, konnte nicht atmen.“ Mauro kann sich zwar in Sicherheit bringen, doch nachdem der Sturm nach acht endlosen Stunden endlich abklingt, hat sich das Landschaftsbild komplett verändert.

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Alles, was ihm geblieben ist, sind ein Kompass, eine Karte und eine halbe Flasche Wasser. Um ihn herum ist nur Sand. Mauro droht qualvoll zu verdursten. Doch er gibt nicht auf und versucht, die nächste Versorgungsstation zu finden. Zunehmend verzweifelt irrt er durch die Dünen. Er teilt sich sein Wasser so gut ein, wie es nur geht, doch bald ist es aufgebraucht. Und die Sonne brennt erbarmungslos auf ihn nieder. 

The Burning Sun

Nach ein paar Tagen stößt er schließlich auf eine Ruine, in der Beduinen Unterschlupf finden. Dort findet er einige Essensreste und kann vorübergehend der Hitze entkommen. Mit seinem eigenen Urin kocht er sich eine notdürftige Mahlzeit. Doch um zu überleben, muss er zu drastischen Mitteln greifen. Er fängt einige Fledermäuse und trinkt ihr Blut. Er erinnert sich: „Ich schnitt ihre Köpfe auf und pürierte sie mit einem Messer von innen. Ich habe bestimmt 20 gegessen, alle roh.“

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Er hat das Gefühl, bald sterben zu müssen, bereitet sich auf sein Ende vor. Mit einem Stück Kohle schreibt er seiner Frau zum Abschied eine Nachricht an die Wände. Dann versucht er, sich die Pulsadern mit einem Stein aufzuschneiden; er will nicht qualvoll verdursten. Doch sein Blut ist schon zu dickflüssig. Er nickt ein. Als er - überraschenderweise - wieder aufwacht, ist der nächste Morgen angebrochen. Mauro sieht es als Zeichen, dass seine Zeit doch noch nicht gekommen ist. Er nimmt seine ganze Kraft zusammen und wandert weiter durch die endlose Wüste. Er ernährt sich von Schlangen, Eidechsen und trinkt Fledermausblut.

Bat

Insgesamt irrt er zehn Tage umher. Die Veranstalter und sein Bruder suchen unterdessen fieberhaft nach ihm. Schließlich trifft Mauro auf Hirten, die die Polizei alarmieren. Doch noch ist der Sportler nicht in Sicherheit. Da die Polizisten nicht wissen, wen sie vor sich haben, wird er mit verbundenen Augen zur Basis gebracht. Als sie herausfinden, dass er der verschwundene Marathonläufer ist, können sie es kaum fassen. Er ist in Algerien gelandet, 290 km abseits der eigentlichen Strecke. Das Wiedersehen mit seiner Familie ist unbeschreiblich. Sie alle hatten schon das Schlimmste befürchtet.

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Der 39-Jährige hat wirklich Glück, noch am Leben zu sein, doch er hat während dieser Tortur 16 kg Gewicht verloren, und auch seine Leber ist stark angegriffen. Noch Monate nach seiner Rettung kann Mauro nur flüssige Nahrung zu sich nehmen. Es dauert fast zwei Jahre, bis er vollständig genesen ist. Was jedoch überrascht: Er lässt sich von seiner lebensbedrohlichen Erfahrung nicht beeindrucken und schließt 1998 den Ultramarathon ab, den er vier Jahre zuvor begonnen hat.

Youtube/20th Century Fox

Seine unglaubliche Geschichte kannst du auch in folgendem Video ansehen (auf Italienisch mit englischen Untertiteln):

Mittlerweile hat Mauro acht Wüstenmarathons hinter sich gebracht und erzielt bis heute wahnsinnige Höchstleistungen. Hut ab! Mit eisernem Willen und einer gehörigen Portion Glück ist er aus der Wüste herausgekommen. Seine Zeit auf der Erde war wohl wirklich noch nicht abgelaufen.

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