Ein offener Brief an eine Freundin, die sie einfach im Stich ließ.

Manchmal trifft man Menschen, die einen auf ganz besondere Weise berühren, auf einer ganz bestimmten Ebene erreichen. Diese Menschen werden einen das ganze Leben lang begleiten, auch wenn sie nicht mehr aktiv daran teilhaben. So wie bei dieser jungen Frau, deren beste Freundin seit Kindertagen eines Tages plötzlich aus ihrem Leben verschwindet. Der Brief, den sie dann an sie richtet, berührt zutiefst und zeigt deutlich, welches Band die beiden verbunden haben muss. Es ist ein Appell an wahre Freundschaft, echte Bindungen und den Wert von Gefühlen. Es ist eine einzige Geschichte, aber sie steht für Millionen auf der ganzen Welt. Diese Zeilen sind für die Freunde, mit denen man den größten Blödsinn, die ehrlichsten Gespräche und die aufregendsten Abenteuer erleben kann.

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„Liebe alte 'beste Freundin',

seitdem du aus meinem Leben verschwunden bist, denke ich immer wieder zufällig an dich. Ich erinnere mich an die Jahre unserer Freundschaft, und oft zaubern mir diese Erinnerungen ein Lächeln auf die Lippen. Von unseren Erkundungstrips durch die Nachbarschaft bis hin zu den Nachmittagen, an denen wir Kuchen gebacken haben; Geburtstagsfeiern, Einkaufstouren, bei all den Dingen hast du mich begleitet. Du warst immer dabei, und kein Mensch weiß mehr über mich als du.

Doch manchmal überkommt mich die Nachdenklichkeit. Nach all den lustigen Erlebnissen und nach allem, was wir einander anvertraut haben, frage ich mich, warum du mich auf einmal nicht mehr in deinem Leben haben wolltest. Seit wir das letzte Mal miteinander gesprochen haben, ist jetzt schon einige Zeit vergangen. Du hast irgendwann nicht mehr auf meine Nachrichten reagiert und mir noch nicht einmal gesagt, warum du einfach verschwunden bist. Ich dachte immer, unsere Freundschaft wäre mehr wert als eine SMS, in der steht, dass du mich nicht mehr in deinem Leben haben willst. Das zeigt immerhin deutlich, wie wichtig dir unsere Freundschaft wirklich war. Zuerst wollte ich nicht glauben, dass meine beste Freundin seit dem Kindergarten plötzlich nichts mehr mit mir zu tun haben möchte. Du hast ja praktisch zur Familie gehört.

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Bis mir klar wurde, dass du es tatsächlich ernst meinst, vergingen einige Wochen. Ich habe zuerst noch versucht, mit dir zu reden, wollte eine Erklärung, aber du hast mich immer weiter weggestoßen. Ich will ehrlich sein: Am Anfang war ich wirklich am Boden zerstört. Du warst der eine Mensch, der alles über mich wusste und mich trotzdem nie verurteilt hat, ganz gleich, was für dumme Entscheidungen ich getroffen habe. Ich fühlte mich von dir verraten. Zu wissen, dass du nicht mehr da sein würdest, wenn ich dich brauche, war furchtbar.

Bis heute weiß ich nicht, was ich falsch gemacht habe. Ich weiß nur, dass es ganz schön gemein war, unsere Freundschaft einfach aus dem Nichts zu beenden. Du hast mich aus deinem Leben ausgesperrt, obwohl du wusstest, dass es die Hölle für mich sein würde. Wie es dir wohl geht, wenn du erfährst, dass ich irgendwann aufgegeben habe, den Grund zu finden. Dass ich bald gelernt habe, mein Leben ohne dich darin zu leben.

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Ob es nun ein Junge war, ein Streit, oder ob wir uns einfach auseinanderentwickelt haben, es tut mir leid, wenn du irgendwelchen Groll gegen mich hegst. Ich bin nicht mehr sauer auf dich und ich entschuldige mich für was auch immer dazu geführt hat, dass du mich aus deiner Welt verbannt hast. Du hast mich oft auf der Straße des Lebens angeschoben und mitgezogen, aber das Ende sollten wir dann wohl nicht gemeinsam erleben.

Ich bin nicht sauer, ich mache dir keine Vorwürfe, es macht mich nur ein bisschen traurig, wenn ich nostalgisch zurückdenke und du nicht da bist, um gemeinsam mit mir daran zurückzudenken. Jeder Mensch, den wir treffen, wird uns entweder ein Leben lang begleiten oder lehrt uns eine wichtige Lektion. Du gehörst zu denen, von denen ich etwas gelernt habe. Ich weiß noch nicht, ob ich etwas Herzzerreißendes oder etwas Schönes von dir gelernt habe. Egal, welches von beiden es am Ende wird - ich danke dir. Es gibt niemanden, mit dem ich die Erinnerungen lieber teile. Niemanden, von dem ich lieber etwas für das Leben gelernt hätte.

Ich werde dich nie vergessen, genauso wie unsere Erinnerungen, die ich irgendwann meinen Kindern erzählen werde. Und ich hoffe, dass auch deine Kinder irgendwann einmal Geschichten über mich hören werden und heraushören, was für eine besondere Verbindung wir beide hatten. Nur weil du nicht mehr in meinem Leben bist, heißt das nicht, dass du aus meiner Erinnerung gelöscht wirst.

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Danke für all die guten Ratschläge, für die gemeinsame Zeit und dafür, dass du mich zu dem Menschen gemacht hast, der ich heute bin. Es tut mir leid, dass die Menschen, zu denen wir geworden sind, für dich nicht zusammenpassen, aber der Weg dahin tut mir nicht leid. Mir ist dabei klar geworden, wem ich wirklich wichtig bin. Ich dachte, du wärst einer davon, aber das ist offensichtlich nicht so. Du warst mehr als meine beste Freundin, du warst wie eine Schwester für mich. Meine Familie hat dich wie eine Tochter behandelt und Deine war genauso zu mir. Als wir auseinandergegangen sind, hast du deine zweite Familie verloren und ich meine. Aber unsere Tür wird dir immer offenstehen.

Du hast mich gesehen, wenn ich vor lauter Lachen Grimassen schnitt, du hast gesehen, wie ich vor lauter Weinen Grimassen  schnitt. Wir haben Dinge durchlebt, die uns für immer verbinden werden, das ist einfach eine Tatsache. Es ist auch eine Tatsache, dass ich immer da sein werde, falls du dich wieder versöhnen möchtest. Doch leider weiß ich nicht, ob ich dir jemals wieder so sehr vertrauen kann. Als ich dich verloren habe, habe ich mein Vertrauen verloren. Dafür habe ich mich gefunden.

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Im Rückblick hast du mir sehr wehgetan. Es war sehr schwer für mich, aber am Ende hat es mich stärker gemacht. Es ist dein Verlust, dass du mich einfach so fallen gelassen hast. Du warst meine beste Freundin und ich hätte alles für dich getan. Egal, was, ich habe dich immer verteidigt, ich war immer da, wenn du dich ausheulen musstest. Wenn dich jemand verletzt hatte und du weintest, versetzte es mir einen Stich, und ich hätte alles gegeben, deinen Schmerz verschwinden zu lassen. Es ist traurig, wie nahe wir uns waren und wie viel mir unsere Freundschaft bedeutet hat. Weil sie dir offensichtlich viel weniger bedeutet hat.

Trotzdem wünsche ich dir alles Gute. Ich hoffe, dass du jemanden findest, der dich umhaut und dich wie die Prinzessin behandelt, die du bist. Ich hoffe, dass du deinen Traumjob bekommst, was auch immer er sein wird. Und ich werde deine Mutter immer wie eine Heilige in Erinnerung behalten. Ich hoffe, du bist glücklich, egal, wo du bist, und dass du das aus deinem Leben machst, was du immer vorhattest. Am allermeisten aber wünsche ich dir, dass du jemanden findest, der an deinem Hochzeitstag all die wirren Haarsträhnen aus deinem Gesicht streicht.

Mit ganz viel Liebe und für immer in guter Erinnerung,

Ich"

Quelle:

Odyssey

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