Pjotr Pawlenski: Künstler zwischen Genie und Wahnsinn.

Pjotr Andrejewitsch Pawlenski ist ein russischer Konzeptkünstler und politischer Aktivist. In seinem Heimatland ist sein Name zwar schon länger bekannt, aber seit dem 10. November 2013 kennt ihn die ganze Welt. Doch der Reihe nach.

Pjotr wollte schon immer Kunst dazu benutzen, auf die Probleme der modernen Gesellschaft hinzuweisen. Doch nach seinem Studium der Wandmalerei war für ihn klar, dass es zu wenig ist, seine Gefühle nur auf diese Weise zum Ausdruck zu bringen. Am 23. Juli 2012 sorgte Pjotr das erste Mal für Schlagzeilen, als er sich aus Protest den Mund zunähte. Er wollte damit auf die seiner Meinung nach unrechtmäßige Inhaftierung der russischen Punkband Pussy Riot aufmerksam machen.

Seine nächste Kunstaktion folgte am 3. Mai 2013, als er sich vor einem Regierungsgebäude in St. Petersburg nackt in Stacheldraht einwickelte, um so gegen die politische Unterdrückung zu protestieren, die die Menschen in „gehorsame Schafe verwandelt“.

Weltweite Berühmtheit sollte er jedoch erst durch seinen spektakulären Akt am 10. November 2013 erlangen. Er begab sich auf den Roten Platz in Moskau, setzte sich auf den eiskalten Boden und nagelte seinen Hodensack daran fest. Später erklärte Pjotr, dass er damit auf die Gleichgültigkeit und den Fatalismus in der russischen Gesellschaft habe hinweisen wollen.

Im Oktober 2014 kletterte er dann auf das Dach des Moskauer Serbski-Instituts und schnitt sich, nackt dort oben sitzend, ein Ohrläppchen ab.

In seiner bis dato letzten Aktion zündete er schließlich die Tür der Zentrale des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB an.

Pjotr wurde nach jeder seiner Kunstaktionen verhaftet. Anfang 2016 wurde er von den russischen Behörden zur Untersuchung sogar in eine Psychiatrie überstellt. Vor Ort stellten die Ärzte allerdings nach einer gründlichen Untersuchung fest, dass er psychisch gesund ist und seinen Körper lediglich als „Kunstobjekt“ missbraucht.

Mitte 2016 bekam er von der Human Rights Foundation sogar den Václav-Havel-Menschenrechtspreis für kreativen Widerstand verliehen, der ihm allerdings noch im selben Jahr aufgrund der Unterstützung einer gewalttätigen Protestbewegung in Wladiwostok wieder aberkannt wurde.

Da ihm in seinem Heimatland mehrere Gerichtsverfahren drohten, unter anderem aufgrund eines angeblichen sexuellen Übergriffs auf eine Frau, floh Pjotr 2016 zunächst in die Ukraine, bevor er dann im Januar 2017 in Frankreich um Asyl bat.

Viele Menschen sind der Meinung, dass er mit seinen Kunstaktionen zu weit gegangen sei, er selbst meint jedoch, dass er sein Ziel schon dann erreicht habe, wenn es ihm gelungen sei, nur eine einzige Person zum Nachdenken zu bringen.

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