Gelähmte Sängerin macht nach 15 Jahren im Rollstuhl erste Schritte.

In den sozialen Netzwerken präsentiert sich die 17 Jahre alte Sofya Babich aus Toljatti in Russland wie viele andere Teenager auch: Sie postet viele Selfies und Bilder mit ihren Freunden. Sie liebt Make-up und Haarstyling. Wenn man in ihre glänzenden Augen blickt, kann man sich nicht vorstellen, dass sie seit 15 Jahren unendliche Qualen leidet.

 

Ein von Σόφια (@sofya_babich) gepostetes Foto am

Kurz nach ihrer Geburt wurde bei ihr eine zerebrale Kinderlähmung diagnostiziert. „Ihre Tochter wird niemals gehen können. Sie müssen damit klarkommen“, sagten die Ärzte den Eltern von Sofya. Eine zerebrale Kinderlähmung äußert sich in Symptomen wie Intelligenzminderung, spastischen Lähmungen oder auch Krampfanfällen.

Sofya wurde 6-mal operiert, doch keine Operation half. Sie blieb unterhalb ihrer Taille weiterhin gelähmt. Die hohen Kosten der (erfolglosen) Behandlungen waren so hoch, dass sich die Familie nur eine Einraumwohnung leisten konnte, die noch nicht einmal behindertengerecht ausgestattet war. So konnte Sofya z.B. nicht einmal allein das Bad benutzen. 

Doch zur großen Überraschung aller blieb Sofya ein fröhliches Mädchen voller Träume und Ziele. Sie liebte es, Musik zu hören, Gedichte zu schreiben und zu singen. Dank ihrer wundervollen Stimme gewann Sofya sogar mehrere nationale und internationale Talentwettbewerbe.  

 

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Doch ihr größter Traum schien unerreichbar: Sofya wollte gehen können. Im Jahr 2015 bewarb sie sich für die TV-Sendung „Direct line“. In dieser bekamen die Kandidaten die Chance, mit dem russischen Präsidenten zu sprechen. „Ich will wirklich, wirklich laufen. Ich gebe mein Bestes, doch ich brauche noch spezielle Trainingsausrüstung“, erzählte Sofya dem Präsidenten. „Wir können sie uns nicht leisten. Sie kostet etwa 20.000 Rubel (gut 300 Euro).“ 

Sofyas Bekanntheitsgrad stieg durch die Teilnahme an der Sendung rasch an. In den nächsten Tagen bekam sie nicht nur die Trainingsausrüstung, die sie sich gewünscht hatte, sondern auch noch eine Behandlung in Deutschland, die von Sponsoren finanziert wurde.

Einige Wochen später kam Sofya in das Asklepios-Krankenhaus in Hamburg. Neue Tests zeigten, dass Sofya gar keine Operationen benötigte, wie es die Ärzte in Russland annahmen, sondern eine medikamentöse Behandlung. Sie litt an einem ganz anderen Typ der zelebralen Kinderlähmung, welcher bei rechtzeitiger Gabe von Medikamenten sogar viel früher hätte verschwinden können. Somit hätte Sofya nicht ihre ganze Kindheit im Rollstuhl verbringen müssen.

Nun wurde sie erstmals korrekt behandelt in Deutschland. Bereits nach 3 Tagen im Krankenhaus wollte Sofya einen ersten Schritt probieren. Gerade in diesem Moment brachte ihre Mutter ihr einen Kaffee. „Ich wollte es so sehr“, sagte Sofya. „Ich stand auf und machte einen Schritt.“ 

Dieses Video wurde einige Wochen später gemacht: Nach 15 Jahren im Rollstuhl konnte Sofya endlich allein laufen. Ihre Mutter Elena erzählt, dass selbst die Ärzte dies nicht glauben konnten: „Das ist fantastisch! Magisch!“, sagte der Arzt, als er sie zum ersten Mal stehen sah.

 

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Heute ist Sofya wieder zuhause. Sie lernt, die Kontrolle über ihren Körper zu gewinnen und genießt jeden Schritt. Nun ist sie auch als Sängerin noch bekannter geworden. Als sie während eines Auftritts aus dem Rollstuhl aufstand, konnte das Publikum seine Tränen nicht mehr zurückhalten. 

Unglaublich, welch hohen Preis dieses Mädchen für etwas zahlen musste, das für die meisten von uns selbstverständlich ist. Sie hat immer noch einen langen und schweren Weg vor sich. Doch mit so einem starken Willen und der festen Entschlossenheit gibt es keinen Zweifel, dass sie ein glückliches Leben führen wird.

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