Zwei Familien wachsen durch ein gespendetes Herz zusammen.

Als Cheryl und Mike Toole in Boston in den USA ihr erstes Kind erwarten, sind sie überglücklich. Nach einer problemlosen Schwangerschaft kommt ihre kleine Tochter Avery in einer unkomplizierten Geburt zur Welt und alles scheint perfekt.

Youtube/Boston Children's Hospital

Doch nur Stunden nach der Entbindung werden die jungen Eltern in größte Sorge versetzt: Avery hat ein hypoplastisches Linksherz-Syndrom (HLHS), eine sehr gefährliche Kombination aus mehreren Herzfehlern und einer Schädigung der Hauptschlagader.

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Die nächsten Jahre werden hart. Avery muss sich mehreren Operationen unterziehen, und schließlich verschlechtert sich ihr Gesundheitszustand so rapide, dass ihr Herz trotz aller ärztlichen Bemühungen aufhört zu schlagen. Sie muss an Maschinen angeschlossen werden, wird auf die Liste für Herztransplantate gesetzt und ein banges Warten beginnt. 52 unerträglich lange Tage vergehen.

Zur selben Zeit geschieht über 1100 Kilometer entfernt in Toledo eine schreckliche Tragödie. Der 8 Jahre alte Dalton Lawyer wird von einem Lastwagen erfasst und erleidet tödliche Kopfverletzungen. 

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Seine Eltern Jim und Jeri beschließen selbst in ihrem eigenen Schmerz, mit dem Tod ihres Sohnes wenigstens einem anderen Kind zu helfen und geben seine Organe zur Spende frei. Sie ahnen nicht, dass sie mit dieser Entscheidung den Eltern der kleinen Avery neue Hoffnung schenken würden, die verzweifelt nach einem Spenderherz für ihre schwerkranke Tochter suchen. Nach einer eingehenden Voruntersuchung geben die Ärzte grünes Licht für die Transplantation: Avery kann Daltons Herz erhalten. Die Operation verläuft erfolgreich und endlich sehen Cheryl und Mike ihre Tochter wieder aufblühen.

"Als ich sie nach ihrer Transplantation sah, fiel uns etwas ganz besonders auf: Zum ersten Mal in ihrem ganzen Leben hatte sie rosig-rote Lippen. Ich dachte, so also sieht es aus, wenn sie ein gesundes Herz hat", erinnert sich Mike mit Tränen in den Augen.

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In einem Brief an Daltons Eltern versuchen sie, ihre Dankbarkeit zum Ausdruck bringen. Jim und Jeri sind von den Worten des Briefes sehr berührt und suchen den Kontakt zu ihnen. Ein reger emotionaler Austausch entwickelt sich.

Nach einigen Monaten des Schreibens und Telefonierens treffen sich die beiden Familien zum ersten Mal. Von Anfang an besteht eine tiefe Freundschaft nicht nur zwischen den Erwachsenen: Avery spielt mit Daltons drei Brüdern, als hätten sich die vier ihr Leben lang gekannt. 

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Jim und Jeri fühlen sich getröstet, wenn sie sehen, wie kräftig und lebensfroh Avery wieder sein kann, weil sie das Herz ihres Sohnes bekommen durfte. Nachdem sie sich ein wenig angefreundet haben, ringt sich Jim schließlich zu einer Bitte durch, die ihn nicht loslässt. Er fragt Avery, ob sie es ihm erlauben würde, an ihrer Brust zu horchen, um darin Daltons Herz schlagen zu hören. Avery erlaubt die ungewöhnliche Bitte, und mit Tränen in den Augen spürt Jim, wie im Körper des Mädchens das Herz seines toten Sohnes stark und kräftig schlägt. In seiner Trauer wird er zumindest von dem Gedanken getröstet, dass Avery dank Dalton ein neues Leben geschenkt werden konnte.

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Die ganze traurig-schöne Geschichte kann hier (auf englisch) angesehen werden:


Avery geht es weiterhin gut und die beiden Familien stehen noch immer in engem Kontakt. Auch wenn es wohl nichts Traurigeres gibt, als den Tod eines Kindes, so hat Dalton doch etwas geschafft, was wohl die Wenigsten von uns fertigbringen: Er hat ein Leben gerettet und weder Avery noch ihre Eltern werden ihn jemals vergessen.

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