Selbstlos: 5-fache Mutter adoptiert Kinder von verstorbener Nachbarin.

Angeblich ist die nachbarschaftliche Verbundenheit in den USA nicht sonderlich stark ausgeprägt. Laut Statistik reden 35% der US-Bevölkerung nicht mit ihren Nachbarn und 17% verkehren mit den Menschen, die neben ihn wohnen, gerade ein bis zwei Mal pro Woche. Auf die Beziehung zwischen Tisha Beauchmin und ihren Nachbarn aus Las Vergas im US-Bundestaat Nevada trifft das allerdings nicht zu.

Tishas Nachbarin Audrey war alleinerziehende Mutter von drei Kindern, Tisha und ihr Ehemann Kevin arbeiteten im Casino und zogen fünf Kinder groß. Da Audreys Tochter Alycia und Tishas Tochter Morgan enge Freundinnen waren und bereits mehrmals beieinander übernachteten, waren sich die Mütter zumindest nicht fremd.

YouTube/Fox5 Las Vegas

Dementsprechend war es nicht ungewöhnlich, als Audrey Tisha bat, für einige Tage auf ihre drei Kinder aufzupassen, während sie sich im Krankenhaus untersuchen ließ. Doch aus den ursprünglich angedachten drei Tagen wurde ein Monat. Die Ärzte diagnostizierten bei Audrey Magenkrebs und gaben ihr höchstens noch ein Jahr auf dieser Welt.

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Jedoch war diese Einschätzung mehr als optimistisch, denn innerhalb kürzester Zeit verschlechterte sich Audreys Zustand dramatisch: Der Krebs streute und befiel die Speiseröhre, die Leber und die Nieren. Nur zwei Wochen, nachdem Audrey wieder zuhause war, verstarb sie.

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Audrey blieb nur wenig Zeit, um sich von ihren Kindern zu verabschieden und um sich um ihren Nachlass zu kümmern. Da sie sah, wie gut es ihren Kindern in dieser schweren Phase bei den Beauchmins ging, fragte Audrey ihre Nachbarin, ob sie die drei nach ihrem Tod aufnehmen würde. Ohne zu zögern sagte Tisha zu.

Obwohl sie schon fünf Kinder hatte, war es für Tisha eine Selbstverständlichkeit, drei weitere aufzunehmen. Danach gefragt, warum sie so handelte, antwortet Tisha rückblickend: „Ganz einfach, weil sie Kinder sind!“ Tisha hätte es nicht ertragen können, wenn die Kinder ihrer verstorbenen Nachbarin in ein Waisenhaus hätten gehen müssen. Denn Tisha war selbst als Waise in einem solchen Heim aufgewachsen und wollte nicht, dass Audreys Kindern dasselbe Schicksal erleiden: „Kinder verdienen es, Kinder sein zu dürfen. Sie verdienen eine liebevolle Familie und einen Ort, den sie Zuhause nennen können.“

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Aber noch durfte das Ehepaar Beauchmin Audreys Kinder nicht offiziell adoptieren, da das Haus für die nun zehnköpfige Großfamilie zu klein war. Die Mädchen Alycia und Morgan sowie Destiny und Miranda teilten sich jeweils ein Schlafzimmer und ein Bett. Tishas älteste Tochter Holly schlief in einem Nebenraum der Küche und ihr ältester Sohn Chad auf der Couch ihm Wohnzimmer. Zum Problem wurde allerdings die Schlafstätte der beiden Jungs Kayden und Kendall, die nicht in einem eigenen Zimmer, sondern in einem offenen Loft schliefen. Die Behörden verlangten jedoch, dass eine neue Wand eingezogen werden sollte, um daraus ein richtiges Schlafzimmer zu machen.

Ohne diese Umbaumaßnahme hätten Tisha und Kevin Audreys Kinder nicht adoptieren dürfen. Aber woher sollte Familie Beauchmin das Geld für die Renovierung hernehmen? Die Verzweiflung war groß, denn verlieren wollten sie die drei nicht, wie Tisha in einem Interview betont: „Ich hatte sie vielleicht nicht in meinem Bauch, aber ich habe sie in meinem Herzen.“

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Die Rettung kam in Form eines Fernsehteams, das durch eine Nachbarin auf die Geschichte der Familie Beauchmin aufmerksam gemacht wurde. Der Fernsehsender bezahlte nicht nur den Einbau der neuen Wand für Kaydens und Kendalls Schlafzimmer, sondern richtete zudem das komplette Haus mit neuen Möbeln ein, damit jeder wenigstens in seinem eigenen Bett schlafen konnte.

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Nur Chad musste weiterhin auf der Couch im Wohnzimmer schlafen. Aber als Entschädigung bekam er einen Gutschein über 1.500 Dollar für einen baldigen Umzug in seine eigene Wohnung geschenkt. Darüber hinaus sponserten lokale Unternehmen der Familie Beauchmin ein neues Auto sowie die Möglichkeit, ein Jahr lang gratis im Supermarkt einkaufen zu können.

Als das Fernsehteam der Familie Beauchmin ihr neues Haus und ihre vielen Geschenke präsentierte, war die ganze Nachbarschaft anwesend und freute sich mit Tisha, Kevin und ihren Kindern.

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Die ergreifende Geschichte der Familie Beauchmin und der Renovierung ihres Hauses kannst du dir hier im Video (auf Englisch) noch einmal anschauen:

Tisha und ihre Familie waren zutiefst dankbar. „Es ist überwältigend, dass jemand so etwas für mich und meine Familie tut“, sagte die ergriffene Mutter im Augenblick der Überraschung und ergänzte ganz bescheiden, „Ich habe nichts Außergewöhnliches getan. Ich tat, was jeder in dieser Situation getan hätte.“

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