Entrümpelung von Messie-Wohnung bringt Schätze ans Licht

Wer ein langes Leben gelebt hat, der hat viel zu erzählen. Wer nicht die Gelegenheit hatte, anderen aus seinem Leben zu erzählen, der hinterlässt vielleicht in seinem Zuhause spannende Andenken und Souvenirs, die von Zeiten zeugen, in denen der Besitzer noch jung und abenteuerlustig war.


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Manchmal entdeckt man erst nach dem Ableben eines Menschen, wie spannend und bewegt dessen Leben war. Wer davon ein Lied singen kann, sind vor allem diejenigen, die sich um die Hinterlassenschaften von Verstorbenen kümmern: Nachlassverwalter und Antiquitätenhändler.

Alex Archbold aus Edmonton im kanadischen Staat Alberta ist schon seit seiner Kindheit von Antiquitäten fasziniert. Er ist stets auf der Suche nach Antiquitäten zum Ankauf und findet seine Ware auf Flohmärkten, bei Hausauflösungen und Nachlassverkäufen. Er liebt es, in den alten Sachen zu stöbern, immer auf der Suche nach etwas Besonderem, etwas Einzigartigem.

Vor einigen Jahren lernte Alex eine ganz besondere alte Dame kennen. Bette-Joan Cebuliak Rac hatte ihren Wagen zum Verkauf ausgeschrieben, da sie ihn schon lange nicht mehr benutzt hatte und dies in Zukunft auch nicht mehr tun würde. Das Auto war ein echtes Sammlerstück: ein Cadillac aus dem Jahr 1964.

Alex kam, um sich das Auto anzusehen, durfte aber Madame Racs Haus nicht betreten – sie sagte, es sei nicht aufgeräumt genug, um Gäste zu empfangen. Alex traf sie in den folgenden Jahren immer einmal wieder in der Stadt, die beiden plauderten und blieben in Kontakt.

„Sie war ein bunter Vogel, immer in leuchtende Farben gekleidet, immer mit einem breiten Lächeln im Gesicht“, erinnert sich Alex. „Es hieß, sie habe nicht viel Geld, und ich hoffte, dass der Verkauf ihres Autos ihr ein wenig aushelfen konnte.“ Madame Rac verdiente sich mit Klavierstunden etwas hinzu und galt als geduldige und lustige Klavierlehrerin. Irgendwie schaffte sie es jedes Jahr, genug für einen Urlaub auf Hawaii zurückzulegen.

Dann kam der Tag, an dem Alex hörte, dass Bette-Joan Rac verstorben war. Ihr Haus sollte geräumt werden und sein gesamter Inhalt stand zum Verkauf. Er wusste, dass sie ein altes Klavier und vielleicht noch einige andere hübsche alte Möbel besessen hatte.

Doch als der Antiquitätenhändler sich in Madame Racs Zuhause umsah, war er geschockt. Die alte Dame war ein sogenannter „Messie“ gewesen, jemand, der zwanghaft Krimskrams hortet und nichts wegwerfen kann. Alle Räume waren mit schieren Bergen von Gerümpel gefüllt. Kein Wunder, dass sie zu Lebzeiten keinen Besuch in dieser Messie-Wohnung mehr empfangen wollte.

Alex kaufte den ganzen chaotischen Inhalt der Messie-Wohnung für 10.000 kanadische Dollar (etwa 6.500 Euro) und hoffte, dass er dabei ohne Verlust ausgehen würde. „Ich hatte ja keine Ahnung, dass die exzentrische alte Klavierlehrerin in Wahrheit reich war!“, sagt er heute.

©Youtube/Curiosity Incorporated

Während der Entrümpelung der Messie-Wohnung arbeiteten Alex und sein Team sich in tagelanger Arbeit durch das Haus hindurch. So fanden sie nach und nach Brieftaschen voller Banknoten, echte Silberdollars, Beutel voll mit kostbarem Schmuck und einen 2,8 Kilo schweren Barren reinen Silbers. Die Schätze waren überall versteckt: in den Taschen von Kleidung, in alten Aktenordnern, sogar in Schuhen.

©Youtube/Curiosity Incorporated

Bei der Entrümpelung lernte Alex die verstorbene Besitzerin erst richtig kennen. Bette-Joan Rac hatte Stapel von Fotoalben hinterlassen. Die Bilder zeigten sie in jedem Alter, von frühester Kindheit bis ins hohe Alter. Sie war schon in sehr jungen Jahren von Mode, Design und Musik fasziniert gewesen. Unter den Fotos hatte sie sorgfältig notiert, welche Kleidung sie darauf trug, was dieses Stück für sie bedeutete und wann sie es am liebsten trug. Viele der Bilder zeigten ihre Mutter, die ihr ein Leben lang sehr nahegestanden hatte und ihr großes Vorbild gewesen war.

Madame Rac wurde 1944 in Edmonton im kanadischen Staat Alberta geboren. Sie entdeckte schon sehr früh ihre Liebe zum Ballett und zum Klavierspiel, und ihre Eltern sparten so lange, bis sie ihr das erste eigene Piano kaufen konnten. Sie wuchs glücklich, tanzend und musizierend auf.

Doch als sie 21 Jahre alt war, setzte ein schwerer Autounfall ihrer Laufbahn als Tänzerin ein brutales Ende. Sie widmete sich völlig dem Klavierspiel, studierte sogar am Royal Conservatory of Music und erwarb mit 24 Jahren ihr Diplom als Lehrerin.

Madame Rac hatte ihre Klavierstunden ebenso gut dokumentiert wie ihre Lebensgeschichte. Bis zum Ende ihres Lebens hatte sie über 47.800 Klavierstunden gegeben und zahllosen Menschen ihre Liebe zur Musik weitergeben können.

©Youtube/Curiosity Incorporated

Alex hat die ganze Geschichte der Entrümpelung des Hauses in einer Reihe Youtube-Videos festgehalten. Hier kann man mit ihm zusammen jeden Winkel des Hauses erkunden und die Lebensgeschichte der Klavierlehrerin entdecken (auf Englisch):

Madame Rac hinterließ nicht nur Wertsachen, die Alex und seinem Team insgesamt um die 400.000 kanadische Dollar (etwa 260.000 Euro) einbrachten, sie schenkte ihre Kreativität und ihre Lebensfreude weiter.

Sie wurde zur Legende und wird von den Menschen, die ihr begegneten, sicher nie wirklich vergessen werden.

Vorschaubilder: ©YouTube/Curiosity Incorporated

Quelle:

boredpanda,

Vorschaubilder: ©YouTube/Curiosity Incorporated

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