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Gruselig

Burke und Hare brachten in Edinburgh 16 Menschen um

Jede Stadt, ob groß oder klein, hat ihre Gruselgeschichten. Schauerliche Dinge, die hier einmal passiert sind, werden über Jahrhunderte hinweg weitererzählt, und oft entstehen aus der Legende sogar grausige Reime und Kinderlieder. 


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Im 19. Jahrhundert kam mit der Möglichkeit des günstigen Buchdrucks auch die lukrative Mode auf, gruselige Geschichten in Masse zu produzieren und für kleines Geld zu verkaufen. Die billigen Heftchen wurden im englischsprachigen Raum „Penny Dreadfuls“ (in etwa „Grusel für einen Penny“) genannt und erfreuten sich großer Beliebtheit. Viele der klassischen Schauer- und Monstergestalten, die einem heute im Kino und Fernsehen begegnen, hatten hier ihren Ursprung.

Aber einige der Geschichten entstammten nicht dem Reich der Fantasie, sondern sind tatsächlich passiert – und die echten Gruselgeschichten sind immer die, in denen Menschen die Rolle der Monster übernehmen. 

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Eine der berühmtesten dieser düsteren Erzählungen ist mit Sicherheit die von William Burke und William Hare aus Edinburgh in Schottland. Das berüchtigte Duo „Burke & Hare“ sollte im Jahr 1828 mit der Serie der sogenannten West-Port-Morde in die Geschichte der Stadt eingehen.

Es fing alles damit an, dass Mediziner und Medizinstudenten zur Zeit jener Morde keine legale Möglichkeit hatten, die Anatomie des menschlichen Körpers zu studieren. Die Universitäten hatten keinen Zugang zu menschlichen Leichen, die sie sezieren und an denen sie chirurgische Eingriffe üben konnten. Nur die Körper von Menschen, die wegen eines Verbrechens hingerichtet worden waren, standen zur Verfügung.

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Als nun im Jahr 1823 eine Reformation des britischen Strafrechts bewirkte, dass die Todesstrafe nur noch im Fall von Kapitalverbrechen angewandt werden durfte, sank die Zahl der jährlichen Hinrichtungen beträchtlich. Diese eigentlich gute Entwicklung bedeutete für die Mediziner jedoch vor allem eines: einen plötzlichen Mangel an Leichen. Um an Körper zu gelangen, an denen die Studenten lernen konnten, bewegten die Universitäten sich in rechtlichen Grauzonen.

Es war allgemein bekannt, dass die Universitäten für frische Leichen gut bezahlten. Wenn eine solche auf ungeklärten Wegen auf den Tischen des Anatomieunterrichts landete, wurden nicht viele Fragen gestellt. Dies zog natürlich einige skrupellose Gestalten an, und so kam es, dass Grabschändung und Leichenraub zu einem echten Problem wurden. Die Verwandten von kürzlich Bestatteten fingen an, auf den Friedhöfen bewaffnet Wache zu halten, damit ihr Verstorbener auch in seinem Grab liegen bleiben konnte.

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Zwei der halbseidenen Kandidaten, die im Leichenmangel der Universität eine Gelegenheit zum Geldverdienen sahen, waren William Burke und William Hare. Die beiden wohnten in derselben Straße des West-Port-Viertels von Edinburgh und waren beste Freunde. Hare hatte ein Gasthaus, in dem er auch kleine Zimmer vermietete. 

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Als 1827 einer seiner alten Mieter plötzlich verstarb und ihm noch etwas Geld schuldete, beschloss Hare, aus dem Tod Kapital zu schlagen. Er verkaufte den Leichnam an Professor Robert Knox von der medizinischen Fakultät und bekam dafür sieben Pfund und zehn Schilling – mehr, als er sich erhofft hatte.

Als ein weiterer seiner Mieter ernsthaft erkrankte, freute sich Hare bereits auf den Profit. Doch Joseph, wie der Mieter hieß, wollte nicht schnell genug sterben. Eines Abends machten Burke und Hare ihn darum mit viel Whisky betrunken und erstickten den Mann. Der erste Mord war begangen. 

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Da kein weiterer der Mieter krank wurde, verlegten Burke und Hare ihre Jagd nach weiteren Opfern in Elendsviertel von Edinburgh, wo vermisste Personen weniger auffielen. Während des nächsten Jahres begaben sie sich auf eine grausige Mördertour, während der sie mit der Hilfe von Burkes Freundin Helen McDougal insgesamt 16 Menschen umbrachten und an Professor Knox verkauften.

Doch die Gier machte sie schnell leichtsinnig. Erst erkannten Knox’ Studenten die Prostituierte Mary Patterson, die plötzlich auf ihrem Anatomietisch lag. Dann ermordeten Burke und Hare auch die Verwandten ihrer Opfer, die nach den Vermissten suchten. Professor Knox ignorierte das Offensichtliche und vertuschte sogar die Identität eines Opfers, indem er den Körper verschwinden ließ, bevor die Polizei ihn sich näher ansehen konnte. 

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Wenig überraschend, begannen Burke und Hare außerdem schnell, einander zu misstrauen und zu hintergehen. Sie beschuldigten sich gegenseitig, den anderen übers Ohr zu hauen, und zerstritten sich mehr und mehr. Zu Halloween 1828 lockten sie ihr letztes Opfer, Marjory Campbell Docherty, in Burkes Zuhause. Burke und Helen hatten sie unter einem Vorwand zu sich eingeladen. Ihre Untermieter, das Ehepaar James und Ann Gray, hatten sie für den Abend in einem von Hares Zimmern untergebracht. 

Als die Grays am nächsten Morgen zurückkehrten, duften sie nicht in ihre Abstellkammer gehen und wurden misstrauisch. Sie schauten dennoch nach und entdeckten zu ihrem Entsetzen den Leichnam von Marjory Docherty. Helen versuchte noch, das Paar mit Geld zu bestechen, aber die beiden flüchteten lieber zur Polizei. Doch als diese das Haus durchsuchte, hatten Burke und Hare die Leiche bereits zu Professor Knox geschafft.

Burke, Hare und Helen wurden trotzdem verhaftet und begannen sofort, sich gegenseitig zu beschuldigen. Es half ihnen nichts. Marjorys Körper wurde bei Professor Knox gefunden, weitere Zeugen begannen gegen sie auszusagen, die Verbindung zu den vielen Vermissten wurde hergestellt und schon bald fanden sie sich vor Gericht wieder.

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Der Prozess zu den West-Port-Morden war schwierig, da es kaum handfeste Beweise gab. Helen konnte keine Beteiligung an den Morden nachgewiesen werden. Burke jedoch wurde zum Tode verurteilt und gehängt, sein Körper landete in genau dem Anatomiesaal, in den er selbst so viele befördert hatte. Noch heute kann sein Skelett im medizinhistorischen Museum Edinburghs bestaunt werden. Angeblich besitzt das städtische Polizeirevier ein Notizbuch, das in seine Haut gebunden wurde.

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Hares Schuld konnte jedoch nicht einwandfrei nachgewiesen werden. Er wurde auf freien Fuß gesetzt und floh von Schottland nach England. Niemand weiß genau, was danach mit ihm geschah. Manche sagen, ein wütender Mob habe ihn getötet, andere meinen, ihn als blinden Bettler in den Straßen Londons erkannt zu haben. 

Auch Professor Knox konnte nicht nachgewiesen werden, dass er ganz genau gewusst habe, wie Burke und Hare an all die Leichen gekommen waren. Seine Reputation war jedoch ruiniert und er musste Schottland verlassen.

Bald fanden die berüchtigten Leichenhändler eifrige Nachahmer und in London nahm eine ähnliche Mordserie ihren Lauf, bis die britische Legislative schließlich Konsequenzen zog. Seit 1832 ist es daher legal, an rechtmäßig der Forschung gespendeten Körpern Medizin zu lehren. Das finstere Geschäft mit den Leichen verlor dadurch seine Grundlage.

Das mörderische Team Burke & Hare ging in die Geschichte der Stadt Edinburgh ein und inspirierte zahlreiche Geschichten, Theaterstücke und später auch Verfilmungen.

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Sie bleiben eine unheimliche Erinnerung daran, wozu Menschen fähig sind, wenn sie die Möglichkeit sehen, mit skrupellosen Mitteln schnelles Geld zu machen.

Quelle: historic-uk

Vorschaubild: ©Facebook/Broad Hinton Village Hall

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