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Historisches

Der falsche Waldemar: Mann gibt vor, toter Markgraf zu sein

Wer noch nie in seinem Leben auch nur ein bisschen geschwindelt hat, der werfe den ersten Stein. Andererseits gibt es aber auch nicht allzu viele Menschen, die derart lügen, dass sich die Balken biegen – wie ein gewisser Waldemar. Wahrscheinlich ist auch das nicht einmal sein richtiger Name.


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Die Geschichte dieser legendären Hochstapelei beginnt im Sommer 1348. Im beschaulichen Wolmirstedt nördlich von Magdeburg tauchte eines Tages ein betagter Pilger auf, der etwas Unglaubliches erklärte: Er sei der 29 Jahre zuvor gestorbene Waldemar, Markgraf von Brandenburg!

©Wikipedia/Waldemar Markgraf Unger.JPG/gemeinfrei

Das kann nun jeder von sich behaupten, nicht wahr? Auch vor fast 700 Jahren hätte man so jemanden normalerweise als Spinner abgetan. Dieser Fall war aber anders. Jener Waldemar – auch in der Variante „Woldemar“ bekannt – hatte nämlich den Siegelring des Markgrafen an seinem Finger. Aber nicht nur das.

Wer sich an den jungen Waldemar noch erinnern konnte, musste zugeben, dass die beiden sich ähnlich sähen. Sagte der Pilger also doch die Wahrheit? Tatsächlich konnte er seine „Wiederauferstehung“ einigermaßen plausibel erklären. Der Tod sei nur vorgetäuscht gewesen, weil ihm die Ehe mit Agnes von Brandenburg wegen der nahen Verwandtschaft zu ihr missfallen habe. Waldemar gehörte zur älteren Linie des sächsischen Hochadelsgeschlechts der Askanier – Agnes zur jüngeren.

©Wikipedia/Agnes of Branderburg (1334).JPG/Acoma/CC BY-SA 3.0


Außerdem habe er ins Heilige Land pilgern wollen, weil er darauf ein Gelübde abgelegt habe. Nach 29 Jahren sei er schließlich nach Deutschland zurückgekehrt, um wieder seine ihm zustehende Herrschaft über die Mark Brandenburg anzutreten.

Tatsächlich erkannte Erzbischof Otto von Magdeburg den Mann als rechtmäßigen Waldemar an. Also doch kein Schwindler? Von wegen!

Als „Waldemar“ durch sein Herrschaftsgebiet reiste, empfanden die meisten den Mann als Schwindler. Er zeigte ein auffälliges Benehmen, das für viele Ausdruck einer Geistesstörung war. Im Nachhinein konnte er nichts als einen Ring vorweisen und wurde zwei Jahre später als Betrüger entlarvt.

Vorher wurde er jedoch offiziell von Kaiser Karl IV. mit der Mark Brandenburg belehnt. Wenn aber „Waldemars“ Behauptungen so wackelig waren, warum wurde er vom Kaiser und vom Magdeburger Erzbischof anerkannt?

Die kurze Antwort: Politik. Nachdem der echte Waldemar gestorben war, fiel die Mark Brandenburg an einen Angehörigen der Wittelsbacher. Das bayrische Hochadelsgeschlecht war dort jedoch nicht sonderlich beliebt.

Deshalb akzeptierten nicht nur hohe Würdenträger und der Kaiser den unverhofft zurückgekehrten „Waldemar“, sondern auch viele Bewohner seines neuen Herrschaftsgebiets – lieber einen falschen Askanier als einen echten Wittelsbacher.

Das Ende vom Lied ist aber, dass die Wittelsbacher ihre Ansprüche durchsetzen konnten, „Waldemar“ das Lehen entzogen wurde und er ab 1350 als Betrüger galt. Es wird vermutet, dass es sich in Wirklichkeit um einen Müllergesellen namens Jakob Rehbock handelte, der unter dem echten Waldemar diente und ihm ähnlich sah – Beweise gibt es aber dafür nicht.

Kurioserweise schien aber die Hochstapelei keine schlimmen Folgen für den Herrn gehabt zu haben. „Waldemar“ blieb nämlich bis zu seinem Tode am fürstlichen Hofe in Dessau. Dreistigkeit zahlt sich anscheinend manchmal aus.

©wikipedia/Dessau-1650-Merian.jpg/gemeinfrei

Auf jeden Fall eine spannende Hochstaplergeschichte. Oder war er doch kein Betrüger …?

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Quelle: dewiki

Vorschaubild: ©wikipedia/Acoma