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Gruselig

Mercy Brown wird als „letzter Vampir Amerikas“ unsterblich

Im Jahre 1892, als es noch keine wirksame Impfung gegen Tuberkulose gab, war die gefürchtete Lungenkrankheit eine der häufigsten Todesursachen in den USA. Die Schwindsucht, wie sie damals genannt wurde, zeigte sich durch extreme Erschöpfung, nächtliche Schweißausbrüche und quälenden, blutigen Husten.


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Es gab noch keine Heilung und keine wirksame Behandlung gegen die Tuberkulose. Man konnte ihren Verlauf höchstens verlangsamen, aber Bettruhe, gutes Essen und Reisen aufs Land konnte sich nicht jeder leisten. Wer an der Schwindsucht erkrankte, der starb höchstwahrscheinlich auch daran, manche langsam, andere sehr schnell.

Zwar hatte Robert Koch bereits 1882 den Erreger der Tuberkulose entdeckt, aber es brauchte noch eine lange Zeit, bis das Wissen um Ansteckung, Hygiene und Prävention wirklich im Bewusstsein der Menschen angekommen war.

Bis dahin machten umso mehr Gerüchte, Legenden, mystische Geschichten und purer Aberglaube die Runde. Es ist kein Zufall, dass zur selben Zeit Vampire zu berühmt-berüchtigten Schauergestalten wurden. Die Menschen wurden blass, schwach, husteten Blut und kein Arzt wusste ihnen zu helfen – natürlich dachten ihre Freunde und Verwandten, dass hier böse Mächte am Werk seien. 

Im Jahre 1884 starb in der kleinen Stadt Exeter im Bundesstaat Rhode Island an der Ostküste der USA eine Frau namens Mary Eliza Brown an Tuberkulose.

Nur zwei Jahre später sollte Marys älteste Tochter ihr Schicksal teilen. Marys Witwer George und die verbleibenden Kinder schienen das Schlimmste überstanden zu haben. Doch 1891 ging der Alptraum aufs Neue los: Marys Sohn Edwin wurde ebenfalls krank. Zwar konnte er eine Kurreise unternehmen, aber sie half ihm nicht. Als er nach einem Jahr nach Hause zurückkehrte, ging es ihm nicht besser, sondern schlechter.

Die Familie Brown schien verflucht zu sein. Noch im selben Jahr erlag Edwins 19-jährige Schwester Mercy Brown der Tuberkulose, Edwin selbst ging es immer schlechter und Vater George war verzweifelt.

Es war nicht ungewöhnlich, dass nach und nach viele Mitglieder derselben Familie an Tuberkulose starben. Wenn Menschen auf engem Raum zusammenleben, stecken sie sich natürlich untereinander an. Daraus erwuchs jedoch der Mythos, dass ein Verstorbener seine Liebsten aus dem Grab heraus als untoter Vampir das Leben raubte und sie damit zu sich holte. 

George Brown wollte zunächst nicht an solchen Unsinn glauben, aber Verwandte und Nachbarn überredeten ihn, einen Arzt zu rufen, um die Leichen seiner Toten zu untersuchen.

Als Dr. Harold Metcalf am Morgen des 17. März 1892 die Gruft der Familie Brown öffnen ließ und die Leichen untersuchte, fand er zwei Skelette und einen Körper, der beinahe lebendig aussah. Die seit neun Wochen tote Mercy Brown war seit ihrem Ableben fast gar nicht verwest. 

Dr. Metcalf versuchte, den Bürgern Exeters zu erklären, dass Mercy kein Vampir und ihr Zustand nicht ungewöhnlich sei. Schließlich war sie während der bittersten Winterkälte bestattet worden, was den Körper konserviert hatte.

Doch die Einwohner bestanden darauf, Mercys Herz und ihre Leber herauszuschneiden, bevor man sie zurück in ihr Grab legte. Das in den Organen noch vorhandene Blut sahen sie als Beweis dafür, dass die junge Frau eine Untote sein musste. Die Organe wurden verbrannt, die Asche mit Wasser vermischt und diese Mixtur dem kranken Edwin zu trinken gegeben. Die grausige „Medizin“ half ihm nicht, zwei Monate später erlag auch er der Schwindsucht.

Dieser makabre Heilungsversuch war kein Einzelfall während der Tuberkulosewelle und der damit verbundenen Vampirhysterie in den USA des späten 19. Jahrhunderts.

Mercy Brown war jedoch der letzte bekannte Fall Amerikas, bei dem das Grab geöffnet und der Leichnam verstümmelt wurde, um einen vermeintlichen Vampir zu töten. Sie ging als der „letzte Vampir Amerikas“ in die Geschichte ein und ihr Grab ist bis heute eine Anlaufstelle für Touristen und Fans des Makaberen.

Was würde Mercy selbst wohl davon halten?

Quelle: allthatsinteresting

Vorschaubild: ©Facebook/Curious Nick

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