Veröffentlicht inFamilie, Kuriositäten

Eltern werfen Sohn Opas Tod vor – und er lüftet Geheimnis.

14 Jahre behielt er es für sich

Sich von einem geliebten Menschen verabschieden zu müssen, ist mit viel Schmerz verbunden. Jemanden gehen zu lassen, der einem so nahestand, ist für alle Angehörigen schwer. In der Familie dieses jungen Mannes ist der Tod seines Großvaters auch nach über 13 Jahren noch präsent. Denn die Eltern geben ihrem Sohn die Schuld am Tod des alten Mannes.

Der mittlerweile erwachsene Enkel bricht nach all der Zeit sein Schweigen um den Tag, an dem sein Großvater starb. Anonym lüftet er auf der Plattform Imgur sein Geheimnis, das er so lange für sich behalten hat: 

Flickr/Lee Haywood

„Meine Eltern werfen mir den Tod meines Großvaters vor, weil ich ’nicht auf ihn aufgepasst habe, als er starb, und nicht versucht habe, ihn zu retten‘.

Ich war im mittleren Teenageralter und mein Großvater musste schon mehrmals von Rettungssanitätern wiederbelebt werden. Er war öfter im Krankenhaus, als ich zählen konnte. Er hatte Polio überlebt und viele andere schlimme Krankheiten. Er war des Lebens müde. Vor allen Dingen war er es leid, im Krankenhaus aufzuwachen, mit einem Beatmungsschlauch im Hals. 

Eines Tages rief er mich in sein Schlafzimmer und reichte mir ein Blatt Papier. Er sagte mir, dass es sich um ein Dokument handele, das den Sanitätern und Krankenhäusern vorschreibe, sie sollen nicht versuchen, ihn wiederzubeleben. Er meinte zu mir, dass er jedem aus meiner Familie sein Leben anvertrauen könne. Aber ich sei der Einzige, dem er seinen Tod anvertrauen könne. Kein anderer außer mir würde seinen Wunsch akzeptieren, sterben zu wollen. Deshalb hat er mich ausgewählt. Ich sollte erst den Krankenwagen rufen, wenn er bereits eine Stunde tot sei.

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Ein paar Tage später rief er mich erneut zu sich und sagte mir, er habe Schwierigkeiten. Ich saß bei ihm, während er einen schweren Herzinfarkt hatte, und hielt ihn im Bett fest, damit er nicht herausfiel. Ich hielt seine Hand, bis er nicht mehr zurückdrückte. Nachdem seine Augen glasig geworden waren und als er nicht mehr nach Luft schnappte, hob ich ihn hoch, setzte mich mit ihm auf den Boden und schaute ihn eine Weile an. Eine Stunde später hatte er alle Farbe verloren, also rief ich die Polizei an, um seinen Tod zu melden. 

Meine Eltern kamen ein paar Minuten, nachdem die Sanitäter eingetroffen waren. Ich habe sie nie angerufen, denn das hätte ihnen einen Hinweis darauf gegeben, was mein Opa und ich geplant hatten. Das war vor 13, 14 Jahren. Es ist so lange her, dass ich Zeit hatte, damit klarzukommen und über das nachzudenken, was passiert ist und wie es mich verändert hat. Ich kann nun darüber sprechen, ich habe es akzeptiert.

Meine Eltern wissen es noch immer nicht. Sie wissen von der Patientenverfügung. Sie wissen nicht, dass ich und Großvater geplant hatten, dass es so endet. 

Mir wurde eine Wahl gelassen und ich habe mich entschlossen, es durchzuziehen. Ich habe die möglichen Konsequenzen akzeptiert und es war mir egal, ob mich meine ganze Familie hasst und denkt, ich hätte ihn umgebracht. Das war es wert und ich würde es wieder tun.“

Imgur

Sich sein Geheimnis endlich von der Seele zu reden, und sei es nur im virtuellen Raum, muss für den jungen Mann sehr befreiend gewesen sein. Die Internetgemeinde reagiert durchweg positiv: 

„Das hätte mich total fertiggemacht, das als Teenager zu erleben. Doch wenigstens hast du seinen letzten Wunsch erfüllt. Ein Held zu sein, beschert einem nicht immer Medaillen. Du hast das Richtige getan. Ich verneige mich vor dir“, schreibt ein Kommentator.

„Als eine Krankenschwester auf der Herz-Intensivstation sage ich: Gut gemacht! Wirklich. Mit einer Patientenverfügung war es legal, was du getan hast. Und das, was er wollte“, pflichtet ihm eine andere Userin bei. „Es ist traurig, dass er die Wünsche für sein Lebensende nicht mit deinen Eltern besprechen konnte. Jeder hat es verdient, in Würde zu sterben“, fügt ein anderer hinzu. 

Imgur/GavTheScav

Wahrhaftig eine große Last, die der junge Mann schon seit Teenagertagen trägt. Vor allem, da er sie nicht mit seiner Familie teilen kann. Doch seinem Großvater den letzten Wunsch erfüllt zu haben, das bereut er keine Sekunde.