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Emotionales

Zauberer P.T. Selbit bot Suffragette an, sie zu zersägen

Ein Bühnenmagier lässt eine Dame in eine Kiste steigen und sägt sie dann in der Mitte durch. Doch wie durch ein Wunder ist die Frau danach unversehrt und wohlauf. Es ist der wohl berühmteste und zugleich schaurigste Trick, den Bühnenzauberer vollbringen können.


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Der legendäre Zaubertrick wurde zum ersten Mal am 17. Januar 1921 im Finsbury Park Empire Theatre in der englischen Hauptstadt London gezeigt. Der Künstler, der ihn an diesem Abend seinem Publikum präsentierte, trat unter dem Namen P.T. Selbit auf. Mit bürgerlichem Namen hieß er Percy Thomas Tibbles.

In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg war die Unterhaltungsbranche von makaberen Inhalten geprägt. P.T. Selbit war zu dieser Zeit bereits ein erfahrener Bühnenzauberer, der schon seit seiner Jugend auftrat. 

Neben der Bühnenmagie hatte er ein Talent für Werbetricks. Zwischen den Aufführungen seiner „Zersägte Frau“-Performance ließ er seine Gehilfen Eimer mit künstlichem Blut in den Gully vor dem Theater kippen. 

Solche Grusel-Aktionen und die schaurige Atmosphäre kamen beim Publikum sehr gut an. Sein neuer Trick fiel in eine bewegte Zeit und die Menschen waren es gewohnt, dass gewalttätige Dinge inzwischen zum Alltag gehörten. Auch nach dem Krieg war die Straße kein friedlicher Ort geworden. 

Drei Jahre zuvor hatten britische Frauen das Wahlrecht erstritten – wenn es auch vorerst nur Frauen über 30 Jahren, die ein Grundstück besaßen, zugesprochen wurde. 

Der Kampf um das Frauenwahlrecht war hart. Die Suffragetten demonstrierten seit Jahren, brachen Gesetze und lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei. Eine dieser bekannten Suffragetten war Christabel Pankhurst. Sie übte sich in militanten Aktionen und war bereits mehrfach verhaftet worden.

Für eine kurze Weile wurde Christabel wegen Vorwürfen der Verschwörung gesucht, aber die Polizei war nicht in der Lage, sie zu fassen. Das brachte ihr den Spitznamen „Elusive Christabel“ (auf Deutsch: „die nicht zu fassende Christabel“) ein. Es gab sogar ein viel verkauftes Spielzeug, mit dem man ein Bild von ihr verschwinden und wieder auftauchen lassen konnte. 

Christabel war berühmt-berüchtigt und der Illusionist sah die perfekte Gelegenheit, ihre Bekanntheit für sich zu nutzen. Er bot der Frauenrechtlerin öffentlich an, sie gegen Bezahlung an Händen und Füßen gefesselt in eine Kiste zu stecken und zu zersägen. Dies amüsierte zwar seine Bewunderer sehr, aber Christabel Pankhurst war an solch höhnische Witze schon lange gewöhnt und lehnte dankend ab.

P.T. Selbits sehr erfolgreicher Trick wurde vielfach kopiert und von anderen Zauberern nachgeahmt. Er selbst ging zu anderen Darbietungen über, etwa dem „Gedehnten Mädchen“ und dem „Zertrümmern einer Frau“. Die inszenierte Zerstörung von Frauenkörpern war sein ertragreiches Markenzeichen geworden und setzte sich als ein festes Klischee der Bühnenmagie fort.

Bezeichnenderweise leistet die Frau in der Kiste während des Säge-Tricks die meiste Arbeit. Je nach Variante verrenkt, verdreht und krümmt sie ihren Körper auf akrobatische Art auf kleinstem Raum zusammen, um die Illusion möglich zu machen. Doch nur sehr selten erfährt man überhaupt den Namen der Künstlerin. Der Star bleibt meist allein der Mann, der die Säge führte. 

Christabel Pankhurst wurde 1936 als Dame Commander of the Order of the British Empire geadelt, bevor sie in die USA auswanderte. Letztendlich hat es sich für sie bewährt, Leute wie Selbit so gut es ging zu ignorieren.

Selbit selbst hat mit seinen Tricks die Zukunft der Bühnenmagie nachhaltig geprägt und wurde mit einem Platz in der Hall of Fame der „Society of American Magicians“ ein Vorbild für viele Nachahmer.

Quelle: mentalfloss

Vorschaubild: ©Facebook/Erix Logan