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10 Fakten über die echte Sissi: So war die Kaiserin Elisabeth von Österreich wirklich

Der österreichische Filmregisseur Ernst Marischka bringt die Kultfigur Elisabeth von Österreich in seiner Filmreihe „Sissi“ in den Jahren 1955–1957 auf die Leinwand und in die Herzen der Zuschauer. Seitdem glaubt jeder, über die wahre Elisabeth von Österreich Bescheid zu wissen. 


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In den Filmen erleben wir Romy Schneider in der Rolle der Sissi als strahlendes Mädchen, verliebte Ehefrau und liebevolle Mutter. In Wahrheit ist das Wesen der echten Kaiserin Elisabeth von Österreich jedoch ein ganz anderes. 

Prinzessin Elisabeth von Bayern – von den Eltern liebevoll Sissi genannt – heiratet im zarten Alter von 16 Jahren ihren Cousin Kaiser Franz Joseph und wird somit zur Kaiserin von Österreich. Diese Rolle sollte ihr jedoch zeitlebens fremd bleiben. Sie fühlt sich nicht wohl in Wien, leidet unter dem strengen Hofleben und der kaiserlichen Etikette. Ihre Aufgabe: für den notwendigen Nachwuchs sorgen. Sie ist immer wieder krank, fährt auf Kuren und entflieht somit dem ihr verhassten Wiener Hof. Als Elisabeth nach fast zweijähriger Abwesenheit dorthin zurückkehrt, ist sie von einer als schüchtern und blass geltenden jungen Frau zu einer selbstbewussten und willensstarken Monarchin geworden. Ab diesem Zeitpunkt lebt sie ein egozentrisches Leben als Außenseiterin, weitab vom Wiener Hof.

Die Filme transportieren ein Klischee, das sich bis heute hartnäckig hält.
Denn in Wahrheit haben sie uns diese 10 Fakten über die echte Elisabeth von Österreich verschwiegen:

1. Sie ist tätowiert.

Ein Symbol ihres unersättlichen Freiheitsdrangs und ihrer Liebe zum Reisen: ein Anker-Tattoo. Sie lässt sich den Anker im Jahr 1888 in einer griechischen Hafenkneipe stechen. Ein auffällig „unkaiserliches“ Verhalten, schließlich ist diese Art von Körperschmuck zu dieser Zeit äußerst ungewöhnlich. 

2. Sie betreibt einen krankhaften Schönheitskult.

Sie gilt als die schönste Frau Europas. Besonders ihr Schönheitskult ist es, für den Elisabeth in der Nachwelt bekannt ist. Ihre bodenlange Haarpracht ist Sissis ganzer Stolz. Dessen Pflege nimmt täglich mehrere Stunden in Anspruch. Wenn sie vom Gewicht der Pracht Kopfschmerzen bekommt, werden die Haare für Stunden mit Bändern in die Höhe gehängt. Und wehe dem, der ihr beim Kämmen ein Haar ausreißt! Deshalb lässt sich ihre engste Vertraute, die Friseurin Fanny Feifalik, auf der Innenseite ihrer Schürze ein Klebeband anbringen, um die ausgefallenen Haare dort zu verstecken.

Sissi hat ein Problem mit dem Älterwerden: Seit dem Zeitpunkt, an dem sie 30 wird, lässt sie sich nicht mehr fotografieren oder porträtieren. Sie will als schöne junge Frau in die Geschichte eingehen. Fortan sieht man sie nur noch mit Schleier und Fächer in der Öffentlichkeit. Bilder einer alten Kaiserin Elisabeth existieren nicht.

3.  Sie hungert und treibt exzessiven Sport.

Die Kaiserin ist besessen von ihrem Aussehen. Bei einer Größe von 1,72 Metern wiegt sie nie mehr als 50 Kilogramm und hat einen Taillenumfang von unglaublichen 51 Zentimetern. Sie hungert und unterzieht sich strengen Diäten. In ihre Kleider lässt sie sich regelrecht einnähen und bekommt oft kaum Luft. Um ihre Figur zu erhalten, turnt sie täglich stundenlang an den Turngeräten in ihren Gemächern.

Stundenlange Wanderungen gehören ebenfalls zu ihrem Alltag, ihre Begleiterinnen kommen kaum hinterher. Zudem gilt sie als die begnadetste Reiterin ihrer Zeit, gibt dafür Unmengen an Geld aus und betreibt diesen Sport als Hochleistungssport. Ein Skandal bei Hofe!

4. Wien ist ihr goldener Käfig.

„Ich bin erwacht in einem Kerker, / Und Fesseln sind an meiner Hand …“, schreibt Elisabeth kurz nach ihrer Ankunft in Wien in ihr Tagebuch. Die ersten Jahre der Ehe sind für Elisabeth eine traumatische Erfahrung, die den Grundstein für ihre zunehmende Entfremdung vom Leben des Wiener Hofes legt. Das Hofzeremoniell und die Erwartungen, welche sie als Kaiserin zu erfüllen nicht in der Lage ist, machen ihr zu schaffen. Auf ihrer Sehnsuchtsinsel Korfu lässt sie sich einen Palast erbauen und nennt ihn „Achilleion“, benannt nach ihrem Lieblingshelden Achill.

Schloss Achilleon auf Korfu

5. Sie ist distanziert zu ihren Kindern.

Weil es am Hof vorgesehen ist, die Erziehung der kaiserlichen Kinder den eigens dafür bestimmten Erziehern und Gouvernanten zu überlassen, wird ihr wenig Möglichkeit gegeben, eine enge Bindung zu ihrem Nachwuchs aufzubauen. Als die Erstgeborene Sophie im Alter von zwei Jahren auf einer Reise stirbt, gibt sie in ihrem Schmerz die Rolle als Mutter vollends auf. 

Die Beziehung zu den anderen zwei Kindern bleibt zeitlebens schwierig. Nur einmal setzt sie sich für eines ihrer Kinder ein: Ihr Sohn Rudolph, der aufgrund seiner Rolle als Thronfolger streng militärisch erzogen wird, bekommt, nachdem Elisabeth dem Kaiser ein Ultimatum stellt, eine liberale Erziehung. Danach kümmert sie sich nie wieder um ihre zwei älteren Kinder. Erst das vierte Kind, ihre Lieblingstochter Marie Valerie, wächst in der Obhut der Mutter auf. 

6. Sie organisiert ihrem Ehemann Affären.

Während Franz Joseph sein Leben lang seine Ehefrau vergöttert, empfindet Sissi für den Kaiser anfänglich Bewunderung – später sieht sie ihn eher als guten Freund. Die Beziehung des Kaiserpaares soll trotzdem zeitlebens von Respekt und Vertrauen geprägt sein. Seine Geliebte Katharina Schratt soll ihm Elisabeth persönlich vermittelt haben, damit er nicht einsam ist und sie sich weiterhin ihrer eigenen Person widmen kann. 

7. Sie ist ständig auf Reisen.

Es ist ihre Art, sich Freiheit zu verschaffen. Sie fährt durch ganz Europa, meist mit einem eigens für die Kaiserin gebauten Hofsalonwagen. Auch eine kaiserliche Jacht, mit welcher sie die von ihr so geliebten Schiffsreisen unternimmt, nennt Sissi ihr Eigen. Besonders nach dem Selbstmord ihres Sohnes Rudolph 1889, welcher sie in eine tiefe Depression stürzt, findet die Kaiserin keinen Halt mehr. Sie wird immer rastloser, ihr unstetes Gemüt führt sie immer wieder auf die Suche nach neuen Destinationen. 

8. Sie schreibt zahlreiche Gedichte.

Ihr Leben lang widmet sie sich mit großer Hingabe der Dichtkunst, will sein wie ihr großes Vorbild Heinrich Heine, den sie geradezu vergöttert. Es ist jedoch eine geheime Leidenschaft, denn ihre Gedichte, in denen sie sich sehr kritisch und bisweilen verletzend mit ihrer Umgebung auseinandersetzt, sollen gemäß ihres testamentarisch festgelegten Willens erst 50 Jahre nach ihrem Tod veröffentlicht werden. 

Die Tagebücher von Sissi (no joke!)

9. Sie ist eine Revolutionärin und gegen die Monarchie.

Sissi hält die Monarchie für eine durch die Zeit überholte Einrichtung. Auch ihr Sohn Rudolph sympathisiert zu Lebzeiten mit republikanischen Ideen. Beide glauben daran, dass die Kraft der Zukunft das Bürgertum sei, und lehnen die höfische Gesellschaft, verkörpert in Kirche und Adel, ab. Das geht so weit, dass Mutter und Sohn – trotz wenig Kontakt zueinander – sogar republikanische Gedanken ins Auge fassen. Die Kaiserin schockiert ihre Umgebung gern mit dem Satz: „Ich hörte, dass die zweckmäßigste Regierungsform die Republik sei.“

10. Sie wird in Genf ermordet.

Am 10. September 1898 wird sie von dem Anarchisten Luigi Lucheni in Genf ermordet. Er stürzt sich am Ufer des Genfer Sees auf sie und sticht ihr eine messerscharfe Feile mitten ins Herz. Zuerst bemerkt die Kaiserin nichts und steigt wie geplant auf ein Schiff. Dort bricht sie weniger später zusammen und stirbt kurz darauf. Ein tragisches Schicksal, schließlich verabscheut sie die Monarchie ebenso sehr wie ihr Mörder.

Nicht zuletzt ihre Ermordung trägt dazu bei, dass Elisabeths ereignisreiches Leben viele Menschen bis heute fasziniert. Das Geheimnis um ihre Person, an welchem sie persönlich ihr Leben lang arbeitete, bietet Raum für Legenden, Mythen und Fantasien. Elisabeth wird zu einem Sinnbild der ausklingenden Habsburger Monarchie und stellt für viele das Bild einer unabhängigen und starken Frau dar, die ihrer Zeit in vielem voraus war.

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Quelle: geo, msnspiegel

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