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Emotionales

Mutter kämpft für tote Tochter, die vergewaltigt wurde

Opfer sexueller Gewalt haben ein Leben lang mit den körperlichen und seelischen Folgen dieser traumatischen Erlebnisse zu kämpfen. Oft erfahren die Opfer nicht einmal Gerechtigkeit und nicht selten gelangen die Täter schneller wieder auf freien Fuß, als sich die Betroffenen wünschen würden. Manchmal kommen sie sogar gänzlich ungeschoren davon, wie im Fall der 23-jährigen Catherine Daisy Coleman, genannt „Daisy“.

 
 
 
 
 
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Mit 14 Jahren wird Daisy von einem Freund ihres älteren Bruders Charlie auf einer Party zunächst mit Alkohol gefügig gemacht und anschließend vergewaltigt. Im Anschluss an die Tat fährt der Täter das bewusstlose Mädchen nach Hause und legt es mit der Hilfe seiner Freunde, die ebenfalls auf der Party waren, bei eisigen Temperaturen einfach halbnackt im Vorgarten ihres Elternhauses ab. Daisys Mutter Melinda Coleman findet ihre Tochter am nächsten Morgen halbtot in ihrem Garten. Diese Nacht und die darauffolgenden Ereignisse sollten das Leben des jungen Mädchens und das ihrer Familie für immer zerstören.

Im Krankenhaus können die Ärzte anhand der Spuren eindeutig belegen, dass das Mädchen sexuell missbraucht wurde. Doch der 17-jährige Täter ist ein Football-Nachwuchstalent der örtlichen Highschool und gehört zudem einer alteingesessenen und anerkannten Familie der Kleinstadt Maryville (im US-Bundesstaat Missouri) an. Obwohl Daisy noch im Krankenhaus Anzeige bei der örtlichen Polizei erstattet, wird ihr ein Prozess durch den ansässigen Staatsanwalt verweigert. Doch nicht nur das! Daisys Schulkameraden bezichtigen sie aufgrund dessen der Lüge und schlagen sich sogar auf die Seite des Täters. 

Gemeinsam mit ihrer Mutter Melinda beginnt Daisy für Gerechtigkeit zu kämpfen. Doch die Gemeinde der Kleinstadt macht der Familie das Leben zur Hölle. Daisy wird von ihren Mitschülern im Internet gemobbt und Mutter Melinda wird sogar entlassen. Auch Daisys Brüder müssen sich tagtäglich mit den Anfeindungen ihrer Schulkameraden auseinandersetzen. Schließlich wird sogar das Haus der Familie Coleman in deren Abwesenheit angezündet und brennt bis auf die Grundmauern nieder.

Familie Coleman wird mit dem Verlust ihres Heims noch einmal schmerzlich vor Augen geführt, dass die Kleinstadt Maryville ihnen keine Sicherheit mehr bietet. Daher beschließen sie, die Stadt und ihre Bewohner hinter sich zu lassen und in einer anderen Stadt noch einmal ganz von vorne anzufangen. Daisy scheint der Ortswechsel zunächst sehr gutzutun. Sie lernt wieder zu lachen und entdeckt schließlich die Kunst des Tätowierens für sich. Doch die Vergewaltigung und die darauffolgende Hexenjagd durch die Bewohner von Maryville haben tiefe Spuren auf der Seele des jungen Mädchens hinterlassen.

 
 
 
 
 
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Daisy gründet eine Organisation für Opfer von sexueller Gewalt, um sich mit anderen Betroffenen auszutauschen, aber auch, um darauf aufmerksam zu machen, dass Schicksale wie ihres leider keine Seltenheit sind. Unter dem Namen „Safe BAE“ teilt sie ihre Geschichte auf Instagram, Twitter und Facebook, um jungen Mädchen zu verdeutlichen, wie leicht diese durch Drogen und Alkohol zum Opfer sexueller Übergriffe werden können, und warnt vor den lebenslangen Folgen, die so eine Tat auf die Psyche der Opfer hat. Denn oftmals kommen Betroffene niemals darüber hinweg und suchen in ihrer Verzweiflung nach einem Ausweg, der leider allzu oft im Selbstmord endet. Auch Daisy hat zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere Selbstmordversuche hinter sich.

In dem von Netflix 2016 produzierten Dokumentarfilm „Audrie & Daisy“ erzählt Daisy – neben anderen jungen Frauen, die Opfer sexueller Übergriffe wurden – von dem Martyrium, durch das sie gehen musste. Doch die mediale Aufmerksamkeit, die Daisy nach Erscheinen des Films bekommt, welche die junge Frau eigentlich nutzen wollte, um andere Mädchen und Frauen zu warnen, ruft auch Internet-Mobber auf den Plan. Regelmäßig wird sie auf Instagram, Facebook & Co. zur Zielscheibe von Menschen, die behaupten, dass Daisy nie vergewaltigt worden sei und sie diese Geschichte nur dazu benutze, um Bekanntheit zu erlangen. Ein Vorwurf, der die junge Frau, die mit ihrer Leidensgeschichte an die Öffentlichkeit ging, um andere Mädchen vor diesem Leid zu bewahren, vollkommen aus der Bahn wirft. Als dann 2018 auch noch ihr jüngerer Bruder Tristan mit 19 Jahren bei einem Autounfall ums Leben kommt, bricht für Daisy und ihre Familie erneut eine Welt zusammen. Das Schicksal scheint es mit der Familie Coleman nicht gut zu meinen. 

 
 
 
 
 
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Am 4. August 2020 nimmt sich Daisy mit 23 Jahren das Leben. Mutter Melinda Coleman richtet auf ihrer Facebook-Seite kurz darauf ein paar Worte an die Öffentlichkeit:

„Meine Tochter Catherine Daisy Coleman hat heute Nacht Selbstmord begangen (…) Sie hat sich nie davon erholt, was diese Jungs ihr angetan haben, das ist einfach nicht fair.“

Melinda kämpft auch nach Daisys Tod weiter gegen verleumderische Behauptungen und Vorurteile gegenüber ihrer Tochter, die fremde Menschen in Hasskommentaren in den sozialen Medien meist anonym verfassen, ohne sich Gedanken darüber zu machen, was sie mit ihren anmaßenden Worten anrichten können. 

Wer unter Depressionen leidet oder Selbstmordgedanken hat, kann sich anonym und kostenlos an die folgenden Nummern der Telefonseelsorge wenden:
0800/111 0 111, 0800/111 0 222 oder 116 123.
Auch im Internet unter www.telefonseelsorge.de erreichbar.

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Vorschaubild: © Instagram/youngcattattoos