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Gruselig

Der Maler Robert Eugene Otto lebte mit einer Grusel-Puppe

Puppen können sehr niedlich und ein süßes, heißgeliebtes Lieblingsspielzeug für viele Kinder sein. Aber nicht jeder mag ihre starren Gesichtszüge und glasigen Augen. Für viele Menschen sind Puppen nicht hübsch, sondern immer ein wenig unheimlich.


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Das Gefühl leichter Verunsicherung, das einen manchmal beschleicht, wenn man eine Puppe in ihrer Ecke sitzen sieht, hat sogar einen Namen: Ein japanischer Robotiker nannte diesen speziellen Grusel  „Uncanny Valley“, das „Phänomen des unheimlichen Tals“. Wenn eine Gestalt den Betrachter stark an einen echten Menschen erinnert, aber zugleich leblos, künstlich und irgendwie unecht erscheint, dann verstört uns das auf einer tief sitzenden Ebene der Wahrnehmung. Sie hat menschliche Züge, aber sie ist sichtlich nicht menschlich. Etwas stimmt hier nicht.

Eine Puppe, der man vielleicht wirklich misstrauen sollte, ist der auf den ersten Blick ganz harmlose „Robert“. Er sieht aus wie eine große, hässliche, aber ganz normale Stoffpuppe, aber um ihn ranken sich ein paar sehr düstere Gerüchte. 

Wie sein Besitzer Robert Eugene Otto zu Puppe Robert gekommen ist, darüber gehen die Berichte auseinander. Die Legende besagt, dass die Puppe dem Jungen von einer Bediensteten seiner Eltern geschenkt worden sei. Die reiche Familie wohnte in einem großen Herrenhaus in Key West im US-amerikanischen Bundesstaat Florida.

Man sagt, die Angestellte sei dabei ertappt worden, wie sie Voodoo-Magie praktiziert habe. Man entließ die Frau auf der Stelle. Es heißt, sie habe dem kleinen Sohn der Familie eine mit dunkler Magie verfluchte Puppe geschenkt, um sich an ihren Arbeitgebern zu rächen.

Heute weiß man, dass es höchstwahrscheinlich anders gelaufen ist. Puppe Robert stammt aus Deutschland, denn dort wurde er um die Jahrhundertwende von dem bekannten Spielwarenhersteller Steiff angefertigt. Im Jahr 1904 kaufte ein amerikanischer Reisender die Puppe und brachte sie als Geschenk für seinen Enkelsohn Robert Eugene Otto nach Key West.

Robert Eugene wurde immer nur bei seinem zweiten Vornamen Eugene gerufen – aber er selbst gab seinem Spielgefährten seinen ersten Namen, Robert. Seine Eltern Thomas und Minnie Otto fanden dies vielleicht etwas seltsam, ließen ihn aber gewähren. Auch schien niemanden zu stören, dass Eugene Robert in seinen eigenen Matrosenanzug einkleidete.

Robert war 1,02 Meter groß, aber Eugene trug ihn überall mit sich herum. Er pflegte mit der Puppe zu tuscheln und zu flüstern und angeblich haben Zeugen manchmal eine tiefe Stimme gehört, die ihm zu antworten schien.

Die Jahre vergingen, Eugene und Robert bleiben unzertrennlich. Immer wieder kam es vor, dass nachts ein lautes Gepolter aus Eugenes Zimmer zu hören war. Wenn die Familie nach dem Rechten sah, fand sie Eugene mit weit aufgerissenen Augen im Bett sitzen. Möbel waren verrückt oder umgestoßen worden, Eugenes andere Spielzeuge waren zerbrochen und zerrissen. „Robert war das“, sagte Eugene jedes Mal.

Diese Geschichten machten in der Stadt schnell die Runde und schon bald behaupteten die Nachbarn, sie hätten durch die Fenster gesehen, wie Robert eigenständig im Zimmer herumgewandert sei. Schließlich hatte eine von Eugenes Tanten genug von diesem gruseligen Unsinn, nahm dem Jungen die Puppe weg und schloss sie auf dem Dachboden ein.

Doch das schien Robert nur wütend zu machen. Man hörte, wie sich etwas auf dem Dachboden bewegte, und schnell eskalierte der Spuk zu Schritten, Gerumpel und nächtlichem Gekicher aus dem Obergeschoss. Kein Dienstbote hielt es noch lange im Hause Otto aus. Angeblich starb die Tante, die für Roberts Gefangenschaft verantwortlich war, noch in derselben Nacht einen plötzlichen Tod. 

Eugene wuchs heran, ging nach Paris und arbeitete als Maler und Schriftsteller. Dort heiratete er die Pianistin Annette Parker, eine Frau, die nichts von seinem gruseligen Jugendfreund wusste.

Als seine Eltern verstarben, zogen Eugene und Annette von Frankreich nach Key West, und zwar in das alte Haus der Familie Otto. Eugene holte Robert vom Dachboden herunter und setzte ihn in einen Stuhl am Fenster des Hauses. Vorbeikommende Schulkinder erzählten immer wieder, sie hätten gesehen, wie Robert plötzlich verschwunden und dann wieder aufgetaucht sei. 

Annette hasste Robert. Sie mied die gruselige Puppe, so gut sie konnte, aber Robert schien es auf sie abgesehen zu haben. Immer wieder fielen Besuchern an Annette Spuren von Misshandlungen auf. Ihr Ehemann Eugene hatte dafür eine bewährte Erklärung parat: „Robert war das.“

Robert hatte inzwischen sein eigenes Zimmer mit Blick auf die Straße. Eugene verbrachte dort all seine Zeit, malte seine Bilder und sprach mit seiner Puppe, bis er im Jahr 1974 schließlich verstarb. Annette zog nach seinem Tod sofort aus dem Haus aus.

Bis hierhin kann dies die Geschichte eines sehr gestörten Jungen gewesen sein, der zu einem bösartigen Mann heranwuchs, der seine grausige Puppe für alles verantwortlich machte, das er je verbrochen hatte. Aber auch nach Eugenes Tod hörte der Spuk nicht auf. 

Als Eugenes Altenpflegerin Myrtle Reuter das leerstehende Haus mit Robert darin kaufte, behielt sie die Puppe. Besucher bemerkten, dass Robert immer wieder an Orten auftauchte, an denen er nicht hätte sein dürfen. Auch fiel ihnen auf, dass sein Gesichtsausdruck sich zu ändern schien, wenn man schlecht von Eugene sprach.

Im Jahr 1994 tat Myrtle etwas, das schon lange überfällig war: Sie wurde Robert los, indem sie ihn dem Fort East Martello Museum von Key West schenkte. Dort sitzt er heute noch – und zwar in einem verschlossenen Glaskasten. 

Die verrufene Puppe war längst über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt geworden und so überrascht es nicht, dass Robert in seinem Kasten immer noch viele Besucher bekommt, die gerne Eintritt zahlen, um ihn von Nahem zu sehen. Er hat seine eigene Social-Media-Präsenz und Nachbildungen der Gruselpuppe verkaufen sich gut. 

Auch die Filmbranche konnte Profit aus der Puppen-Legende schlagen. Ab 2015 entstand eine reißerische Horrorfilm-Reihe mit dem Namen „Robert – Die Puppe des Teufels“, welche die Geschichte der Familie Otto zu einem übernatürlichen Spektakel aufbauscht. Roberts Erscheinungsbild ist im Film sehr viel abstoßender als in der Realität.

Mitarbeiter des Museums behaupten, er würde manchmal seine Sitzhaltung und seinen Gesichtsausdruck ändern. Nachts will man aus seinem Raum Schritte und Gelächter gehört haben. Besuchern wird geraten, sich ihm nur sehr höflich zu nähern, ihn zu grüßen und ihn vor jedem Foto respektvoll um Erlaubnis zu bitten. 

An der Wand des Museums hängen über tausend Briefe von Besuchern, die diese Warnungen nicht beachtet haben. Sie bitten Robert um Entschuldigung, da ihnen seitdem jedes erdenkliche Unglück passiert sei. 

Als Eugene starb, war die Legende von seiner Puppe Robert bereits so bekannt, dass Menschen sicherlich immer wieder unerklärliche Dinge zu sehen meinten, die nicht wirklich passiert sind. Wahrscheinlich schmücken die Museumsangestellten ihre Geschichten auch gerne aus, um Besucher anzulocken und zu unterhalten. 

Aber vielleicht sollte man dennoch höflichen Abstand zu dieser Gruselpuppe halten. Nur, um ganz sicherzugehen.

Quellen: hauntedrooms, theparanormalguide

Vorschaubild: ©Facebook/It’s Good To Be A Geek

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