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Historisches

Thomas Lynn Bradford wagte den Freitod als Experiment

Warnung: Dieser Artikel enthält die Beschreibung eines Suizids. 

Gibt es ein Leben nach dem Tod? Diese Frage ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit selbst. Jede Kultur und jede Form der Religion beschäftigt sich damit, was mit der Seele eines Menschen passiert, wenn dieser stirbt. Es gibt unzählige Formen des Glaubens und der Spiritualität, die hierauf eine Antwort geben wollen.


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Aber genau das bleibt es eben: reiner Glaube. Man kann noch so sehr auf ein Leben nach dem Tod vertrauen, niemand kann je mit erwiesener Sicherheit sagen, was danach kommt. Es bleibt die letzte Antwort, die jeder selbst entdecken muss.

Diese Unsicherheit hat Menschen immer schon zu Geisterbeschwörern und Okkultisten getrieben, die von sich behaupten, mit den bereits Verstorbenen kommunizieren und von ihnen Botschaften ausrichten zu können. Besonders solche, die einen geliebten Menschen verloren haben, suchen bei solchen „Medien“ die Bestätigung, dass es dem Verstorbenen im Jenseits gut geht.

Von der Mitte des 19. bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein war der Spiritualismus eine beliebte Beschäftigung von Leuten, die glaubten, die Existenz einer unsterblichen Seele tatsächlich beweisen zu können. Eine Séance nach dem Abendessen war in betuchten Kreisen nichts Ungewöhnliches und die geheimnisvollen Geisterbeschwörer ließen sich für ihre Dienste gut bezahlen.

Aber für manche Interessierte war die Kommunikation mit Geistern weit mehr als nur ein gruseliger Nervenkitzel oder eine Einkommensquelle. Sie wollten ernsthaft ergründen und beweisen, dass die Geister Verstorbener existieren und mit den Lebenden in Kontakt treten können.

Einer dieser Überzeugten war zu Beginn der 1920er Jahre Professor Thomas Lynn Bradford aus Detroit im US-amerikanischen Bundesstaat Michigan. Bradford hatte sich der Suche nach einem Beweis so sehr verschrieben, dass er bereit war, den ultimativen Selbstversuch zu wagen.

Er setzte eine Anzeige in die Zeitung, in der er nach Personen fragte, die sich für „spirituelle Wissenschaft“ interessierten. Als eine Frau namens Ruth Doran sich daraufhin bei ihm meldete, traf sich Bradford mit ihr und erklärte ihr sein Vorhaben.

Ihrer beider Seelen müssten sich völlig aufeinander einstimmen. Wenn dies vollbracht sei und die beiden auf derselben Wellenlänge seien, würde er seine sterbliche Hülle hinter sich lassen und Ruth aus dem Jenseits heraus kontaktieren. 

Thomas Lynn Bradford meinte es mit seinem fatalen Experiment völlig ernst. Am Abend des 5. Februar 1921 verschloss er alle Tür- und Fensterfugen seines gemieteten Zimmers, blies die Flamme seiner Gasheizung aus, drehte das Gas bis zum Anschlag auf und legte sich ins Bett. 

Als die wegen des Gasgeruchs von den Nachbarn gerufene Polizei eintraf, fand sie den 48-Jährigen erstickt vor. In seiner Schreibmaschine steckte getippt seine letzte Nachricht: „Durch wissenschaftlichen Nachweis werde ich einwandfrei das Phänomen der Geister demonstrieren und beweisen, dass Geister nichts Übernatürliches sind.“ 

Ruth Doran glaubte fest daran, dass ihr Freund sein Versprechen halten und sich bei ihr melden würde. Doch nichts geschah. Zwei Tage später titelte die New York Times: „Toter Spiritualist schweigt.“

Drei Tage später behauptete eine Frau namens Lulu Mack, sie habe Thomas Bradfords Namen gehört, als sie ihre eigene Geisterbeschwörerin besucht hatte. Sie erzählte, sie würde noch immer seine Stimme hören, doch diese sei schwach, denn Thomas Bradfords Geist sei durch seinen Selbstmord geschwächt worden.

In den folgenden Wochen trafen sich ganze Gruppen von Spiritualisten, um sich gemeinsam auf Thomas Bradfords Geist zu konzentrieren und ihm so Kraft zu verleihen. Doch „echter“ Kontakt konnte niemals hergestellt werden.

Wie stark muss der Wunsch nach einem Leben im Jenseits in Thomas Lynn Bradford gewesen sein, dass er bereit war, sein Leben im Hier und Jetzt dafür aufzugeben? Welch trauriges Ende für einen so wissbegierigen Geist!

Quelle: cultofweird

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