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Emotionales

Rainier Crawford läuft Marathon – Jugendamt greift ein

Was ist kindgerecht? Davon haben Eltern teilweise sehr unterschiedliche Vorstellungen. Die Erziehungsmethoden des Ehepaars Ben und Kami Crawford sorgten für eine Welle der Empörung und Bestürzung im Internet. Weil die Eltern ihren 6-jährigen Sohn Rainier einen Marathon laufen ließen, gab es in den sozialen Medien einen Aufschrei – und schließlich Besuch vom Jugendamt.


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Ben und Kami Crawford aus Kentucky, USA, sind begeisterte Läufer: Wie man auf der Instagram-Seite des Ehepaars sehen kann, wollen sie diese Leidenschaft auch an ihre Kinder weitergeben. Ihr 6-jähriger Sohn Rainier scheint ganz in die Fußstapfen seiner sportlichen Eltern zu treten.

Mit einem 6-Jährigen zum Marathon

Doch als die Crawfords am 1. Mai 2022 gemeinsam mit ihrem kleinen Sohn am Flying Pig Marathon in Cincinnati, Ohio, teilnehmen, kommt es zum Eklat. Nichts gegen ein bisschen Jogging, aber einen 6-Jährigen einen 42-Kilometer-Lauf absolvieren zu lassen – das geht einigen doch zu weit. Läuft Rainier wirklich aus freien Stücken? Und ist es nicht gesundheitsgefährdend, ein Kind in diesem Alter einen ganzen Marathon laufen zu lassen?

Trotz aller Befürchtungen überquert der kleine Rainier nach 8 Stunden an der Hand seiner Eltern die Ziellinie. Doch damit fängt der Ärger erst richtig an: Unter den Bildern, die die Crawfords auf ihrer Instagram-Seite teilen, überschlagen sich die wütenden Kommentare. Man wirft den Eltern Kindesgefährdung und Missbrauch vor. Schließlich werden auch die Behörden aktiv. 8 Tage nach dem Marathon bekommen die Crawfords unangekündigten Besuch vom Jugendamt.

„Das war ein beängstigender Prozess.“

Nach einer anonymen Beschwerde soll überprüft werden, ob die Crawfords ihren Sohn zum Marathon genötigt oder gezwungen haben. „Was man uns wirklich vorwarf, war, wir hätten Rainier auf der Marathonstrecke nach 26 Kilometern quasi physisch mitgeschleppt und ihn über die Ziellinie gezogen“, so Ben.

Die Beamten befragen die gesamte Familie und führen ein persönliches Gespräch mit Rainier, um den Missbrauchsvorwurf zu prüfen – ein traumatisches Erlebnis, wie Ben schildert:

„Das war ein beängstigender Prozess, weil die Kinder dabei üblicherweise gegen ihren Willen von ihren Eltern entfernt befragt werden, und ihre Antworten beeinflussen die juristische Entscheidung der Behörde, die Kinder wegzunehmen.“

Die Eltern weisen die Vorwürfe entschieden zurück und versichern den Beamten: Rainier ist aus freien Stücken mitgelaufen. „Alle acht Familienmitglieder und Augenzeugen (einschließlich der Polizeibeamten) und Stunden von Bildmaterial zeichnen ein anderes Bild“, schildert Ben. „Nämlich, dass Rainier ein junger Mensch ist, der sehr entschlossen war, das Ziel zu erreichen, und während der 42 Kilometer kein einziges Mal mitgeschleppt wurde.“

Keine Sekunde hätten sie ihren Sohn zum Laufen gezwungen, versichern die Eltern. „Man kann ein Kind nicht dazu bringen, hunderte Stunden zu trainieren und 42 Kilometer durch die Hitze zu laufen – nur für eine Packung Chips“, antworten die Eltern auf die Vorwürfe im Netz. Außerdem hätten sie zu jedem Zeitpunkt den gesundheitlichen Zustand des 6-jährigen Marathonläufers überwacht.

„Ja, es gab Tränen“, gibt Ben zu. „Er ist einmal gefallen und jedes einzelne Mitglied unserer Familie hat schon einmal während eines Marathons geweint. Diese Reaktionen waren entgegen dem, was berichtet wurde, sehr moderat, und trotz der extremen emotionalen und körperlichen Herausforderung eines Marathons hat er nicht mehr geweint, als wenn wir an einem Sonntagmorgen zuhause geblieben wären.“

Ist ein Dauerlauf kindgerecht?

Doch selbst wenn Rainier aus freien Stücken gelaufen ist – ist ein Marathonlauf für ein so junges Kind nicht gesundheitsschädlich? Nein, sagen Ben und Kami und berufen sich auf eine Studie im British Journal of Sports Medicine. Es gebe „keinen wissenschaftlichen Beweis“ dafür, dass Laufen schädlich für Kinder sei, behauptet der Vater.

„Die drastischste Aussage [der Studie] ist, dass Laufen ‘für den jugendlichen Läufer das Risiko von Verletzungen des Bewegungsapparats mit sich bringen kann’“, so Ben. „Die Betonung liegt auf ‘kann’.“

Das Ergebnis der Befragung durch das Jugendamt steht noch aus. Für die Crawfords steht jedoch fest, dass sie sich ihr Familienhobby nicht vermiesen lassen wollen. „Unsere Erziehungsmethoden sind unkonventionell“, sagt Ben. „Aber wir glauben nicht, dass Anschuldigungen oder Argumente, die auf falschen Annahmen basieren, hilfreich sind.“ Für die Jogging-Junkies steht fest, dass sie mit Rainier noch viele Kilometer gemeinsam laufen werden.

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Quellen: ladbible, abc7chicago
Vorschaubild: Instagram/fightfortogether

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