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Saxofon: Das abenteuerliche Leben von Adolphe Sax

War es eine gute Idee, das Saxofon zu erfinden? Wer die achterbahngleiche Biografie des Erfinders jenes einzigartigen Instruments liest, kommt vielleicht ins Grübeln.


Spannende und inspirierende Videos, die zum Nachdenken anregen. (Zum Artikel nach unten scrollen.)


Adolphe Sax – mit bürgerlichem Namen Antoine-Joseph Sax – erblickte am 6. November 1814 in Dinant, im heutigen Belgien gelegen, das Licht der Welt. Schon in seiner Kindheit ließ ihn das Schicksal nicht in Ruhe, wie die vielen verstörenden Unfälle bezeugen, die er glücklicherweise alle überlebte.

 
 
 
 
 
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Zum Beispiel stürzte Adolphe über eine Treppe und fiel infolgedessen ins Koma. Er trank etwas verdünnte Zinksulfatlösung, die er wohl mit Milch verwechselt hatte. Er wurde von einem Ziegel am Kopf getroffen, wäre beinahe in einem Fluss ertrunken und wurde dreimal durch Lacke vergiftet. Außerdem verschluckte er eine Nadel und stürzte aus einem Fenster im dritten Stock – und selbst das war nur der Anfang.

Es überrascht nicht, dass seine zermürbte Mutter Marie-Joseph Masson sich einmal beklagte: „Er ist ein Kind, das zum Unglück verdammt ist; er wird nicht überleben.“ Adolphes Spitzname im Heimatort war sinnigerweise „der kleine Sax, das Gespenst“.

Adolphe Sax’ Vater, Charles-Joseph, stammte aus einer Handwerkerfamilie. Er war ursprünglich Tischler, arbeitete aber wegen seines Talents später als königlicher Instrumentenbauer.

„Das Gespenst“ verlebte seine Kindheit in diesem musikalischen Umfeld und blühte trotz der vielen Unfälle auf. Beispielsweise durfte Adolphe die Werkstatt seines Vaters benutzen und stellte bereits als Jugendlicher Klarinetten mit verbessertem Klang her. Adolphe studierte außerdem Flöte und Klarinette am Konservatorium in Brüssel und wurde Instrumentenvirtuose. Schon in den frühen 1840er-Jahren fertigte er sein berühmtestes Instrument an: das Saxofon.

Seine vielen Erfolge und Leistungen dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Adolphes Pechsträhne auch in späteren Jahren einfach nicht abreißen wollte. Einmal überlebte er eine Schießpulverexplosion und bekam später Lippenkrebs. Auf einer belgischen Ausstellung für Musikinstrumente hätte er für seine Erfindungen und Verbesserungen eigentlich den ersten Platz verdient. Wegen seines jungen Alters wurde ihm bewusst nur die Silbermedaille angeboten, die er aber ablehnte.

Empört zog es ihn 1842 nach Paris. Auch dort machte Adolphe sich einen Namen, befreundete sich mit dem romantischen Komponisten Hector Berlioz und kreierte eine neue Art von Blechblasinstrumenten: die Saxhörner. Außerdem meldete er das Saxofon schließlich zum Patent an.

Sein zunehmender Ruhm stieß bei vielen Zeitgenossen aber nicht auf Gegenliebe. Der junge Erfinder musste sich mit dem Neid und der Eifersucht seiner Berufskollegen herumschlagen – von der Wut und dem Hass seiner Rivalen ganz zu schweigen. Zudem wurde Adolphe Opfer von Betrügern, unehrlichen Geldverleihern, neidischen Konkurrenten, giftigen Kritikern und mittelmäßigen Musikern.

Obwohl er nie aufgab, sogar 20.000 Saxofone verkaufte, zu Hochzeiten eine Werkstatt mit 100 Mitarbeitern leitete und als Musiklehrer sowie Direktor des Bühnenorchesters der Pariser Oper arbeitete, war ihm kein endgültiger Erfolg beschieden. Der Ruf des Saxofons wurde ruiniert und die vielen Gerichtsprozesse zehrten sein Vermögen auf.

 
 
 
 
 
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Beispielsweise gaben sich Betrüger als die wahren Erfinder des Saxofons aus und verklagten ihn wegen Patentschwindels. Neidische Instrumentenbauer stellten ohne Lizenz schlechte Kopien seines Saxofons her, wogegen er natürlich rechtlich vorging.

Adolphe gewann zwar stets vor Gericht, doch am Ende nützte das alles nichts: In seinen letzten Tagen im Jahr 1894 starb er verarmt und desillusioniert. Besonders niederschmetternd ist aber, dass er nicht mehr daran glaubte, dass sein Saxofon eine Zukunft haben würde. Schon wenige Jahrzehnte nach seinem Tode war jedoch der Siegeszug dieses besonderen Instruments nicht mehr aufzuhalten.

 
 
 
 
 
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Ein Beitrag geteilt von Katia Beaugeais Composer & Sax (@katiacomposer)

Egal, wie sehr man Musikliebhaber oder gar Jazzliebhaber ist: Die Lebensgeschichte von Antoine Joseph Sax lässt einen nur mit Respekt und Hochachtung zurück. War es also eine gute Idee, das Saxofon zu erfinden? Allemal!

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Quelle: allthatsinteresting

Vorschaubild: ©Twitter/@klaasm67